"Wir klagen jeden"

Sonntagsöffnung: Gewerkschaft läuft gegen dayli Sturm

Wirtschaft
21.04.2013 17:36
Im Kreuzfeuer der Kritik steht derzeit die Drogeriekette dayli, die einige ihrer Filialen auch am Sonntag offen hält. Um "umgehungskreative Unternehmer wie Rudolf Haberleitner", Chef von dayli, in Sachen Sonntagsöffnung aufzuhalten, will die Gewerkschaft der Privatangestellten nun "alle Schlupflöcher" schließen, wetterte GPA-Chef Wolfgang Katzian. "Wir lassen uns nicht prügeln, wo wir doch Arbeitsplätze schaffen", konterte daraufhin Haberleitner (Bild).

Am Sonntag stand etwa in Oberndorf in Salzburg erneut eine Filiale offen. "Wir werden die Behörden informieren und uns bei der bereits eingebrachten Klage wegen unlauteren Wettbewerbs anhängen", so der Regionalgeschäftsführer GPA in Salzburg, Gerald Forcher. Das Arbeitsinspektorat werde ebenfalls kontaktiert. Forcher betonte, dass sich das Interesse an der Öffnung bei den Kunden stark in Grenzen halten würde. Bei einem Lokalaugenschein in Oberndorf seien binnen zwei Stunden keine zehn Kunden gezählt worden.

"Solidaritätskundgebungen" geplant
"Wir klagen jeden einzelnen Standort, an dem sonntags offen gehalten wird", hatte auch Katzian angekündigt und zudem mit Demonstrationen gedroht. Daher seien für 2. Mai "Solidaritätskundgebungen" gemeinsam mit anderen Branchen geplant. Betriebsräte aus ganz Österreich sollen vor der dayli-Zentrale im oberösterreichischen Pucking demonstrieren. Aber nicht nur dort: "Weil Novomatic als Hälfteeigentümer des Unternehmens auch Mitverantwortung" trage, werde man auch vor dem Novomatic Forum in Wien "lautstark kundtun", was man von der Sonntagsöffnung halte, kündigte Katzian an.

Seitens der Drogeriekette wurde bekannt gegeben, dass bald alle 885 dayli-Filialen in Österreich über ein Bistro verfügen würden, um so auch sonntags offen zu halten. Neue Mitarbeiter sollen deshalb in Zukunft großteils nach dem Gastro-Kollektivvertrag angestellt werden.

Mitterlehner will "arbeitnehmerfreundliche Regelungen" 
Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will der Sonntagsöffnung noch vor den Nationalratswahlen einen Riegel vorschieben. Für die SPÖ hob Renate Csörgits den Sonntag als Zeit für Regeneration und Familienleben hervor und verlangte gegenüber der Kathpress "arbeitnehmerfreundliche Arbeitszeitregelungen". 

Rainer Widmann vom BZÖ wünscht sich an sechs Sonn- oder Feiertagen die Möglichkeit, Geschäfte offen zu halten. Gabriele Tamandl von der ÖVP wiederum will Ausnahmeregelungen in Tourismusregionen erhalten. Auch FPÖ-Vertreter Andreas Karlsböck will den Sonntag zwar grundsätzlich arbeitsfrei erhalten, aber Ausnahmen zulassen. Die Grünen hätten die Allianz für den freien Sonntag von Beginn an unterstützt und würden dies weiterhin tun, versprach Sozialsprecher Karl Öllinger.

Diözesanbischof Ludwig Schwarz forderte Erholungsphasen für alle, die Kirchen treten mit ihrem Sonntagsgebot "nicht nur dafür ein, den Gottesdienst zu besuchen", sagte er gegenüber der Kathpress. Die Ökonomisierung und Produktivität dürften nicht Vorrang vor allem anderen haben. Auch ÖGB-Präsident Erich Foglar erklärte, dass der arbeitsfreie Sonntag die "Grenze zwischen einer selbstbestimmten und einer fremdbestimmten Welt" aufzeige.

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