Konjunktur schwach

Die Euro-Zone bleibt weiterhin das Sorgenkind des IWF

Wirtschaft
21.04.2013 08:39
Europa bleibt mit seiner unverändert schwachen Konjunktur weiterhin das Sorgenkind der Weltwirtschaft. "Das Wachstum muss sich in der Euro-Zone insgesamt erst noch verwirklichen", bemängelte der Lenkungsausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF) am Samstag zum Abschluss seiner Frühjahrstagung in Washington. Er forderte eine weitere Reparatur des Finanzsektors, Reformen für mehr Jobwachstum und Produktivität sowie eine effektive Bankenunion. Aber auch die Erholung der globalen Wirtschaft ist längst nicht vollendet.

"Eine stärkere Nachfrage in Europa ist wichtig für das globale Wachstum", meinte US-Finanzminister Jack Lew. Der Amerikaner begrüßte die Debatte der Europäer, ihre Konjunktur "durch eine angemessene Mischung volkswirtschaftlicher Werkzeuge" anzukurbeln. Vor allem die starken Staaten sollten in Wachstum investieren, um die "anstrengenden" Sparmaßnahmen der Krisenländer abzufedern.

Während die Weltwirtschaft in diesem Jahr nach IWF-Berechnung um 3,3 Prozent wachsen soll, schrumpft die Konjunktur in der Euro-Zone um 0,3 Prozent. Auch im kommenden Jahr soll sie mit 1,1 Prozent Wachstum im Vergleich eher schwach dastehen. Die Währungsfonds-Chefin Christine Lagarde (Bild) warnte, dass Europa zunehmend hinter den USA und den Schwellenländern zurückbleibe. Diese "Erholung mit drei Geschwindigkeiten" sei nicht gut für die Entwicklung der Weltwirtschaft.

Schäuble: Europa ist kein Konjunkturmotor
Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble entgegnete, dass Europa in den kommenden Jahren kein starker Konjunkturmotor für die Weltwirtschaft werde. Es wäre völlig unrealistisch, hier große Wachstumsraten zu erwarten, sagte er in Washington. Wer mehr erwarte, laufe Gefahr, nicht die eigenen Probleme zu lösen.

Hintergrund des Augenmerks auf die Euro-Zone sind Sorgen um die Weltkonjunktur. "Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen ist noch immer zu schwach", heißt es im Papier des Lenkungsausschusses. "Wir müssen entschlossen handeln, um die Widerstandskraft der Weltökonomie wiederherzustellen." Singapurs Minister Tharman Shanmugaratnam, der Vorsitzende des Komitees, betonte, dass dafür eine Mischung verschiedener Maßnahmen notwendig sei. "Es gibt nicht eine einzige Waffe."

"Übermäßiges Vertrauen auf Geldpolitik vermeiden"
Unentbehrlich sei etwa eine mittelfristige, glaubwürdige Sparpolitik - vor allem auch in den USA und Japan. Ein starker Defizitabbau in kurzer Zeit sei hingegen nicht hilfreich. Auch ein "übermäßiges Vertrauen auf Geldpolitik" sollte vermieden werden. Ein Ende der Niedrigzinsen, wenn es so weit sei, müsse aber "vorsichtig durchgeführt und klar kommuniziert werden", heißt es in dem Abschlusspapier. Die Schwellenländer sollten zudem ihre derzeit gute Konjunkturlage nutzen, um jetzt Puffer gegen mögliche künftige Probleme aufzubauen.

Der IWF will eventuelle Negativfolgen der extrem lockeren Geldpolitik untersuchen. Dabei sollten auch Möglichkeiten erkundet werden, wie Notenbanken einen ungefährlichen Ausweg aus den "unkonventionellen Maßnahmen" finden könnten, sagte Lagarde. Nachdem zuletzt die japanische Zentralbank massiv die Liquidität erhöhte, sind Sorgen über die Konsequenzen lauter geworden. Dazu gehören etwa Inflation, Spekulationsblasen, instabile Rohstoffpreise und ein Abwertungswettlauf verschiedener Währungen.

IWF fordert Bankenunion in Europa
Wie die Gruppe der G20-Wirtschaftsmächte ruft der IWF nach entschlossenen Schritten zur Bankenunion in Europa. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sieht dabei keine größeren Verzögerungen durch den Streit über mögliche EU-Vertragsänderungen. "Wir können eigentlich sehr, sehr weit vorankommen mit den wesentlichen Elementen der Bankenunion", sagte er. Parallel könne darüber debattiert werden, ob für den geplanten Abwicklungsmechanismus für marode Banken die europäischen Verträge geändert werden müssten. Aus Sicht von Schäuble ist eine Abwicklungsbehörde zur Schließung von Instituten nur möglich, wenn die europäischen Verträge geändert würden.

EU-Währungskommissar Olli Rehn bezeichnete vor allem die weitere Erholung des Finanzsektors als unentbehrlich für eine Ankurbelung der Wirtschaft. "In der EU herrscht Bedarf an langfristigen, produktiven Investitionen, die finanziert werden müssen", schrieb er in einer Erklärung. Es gebe aber noch viele Faktoren, die verhinderten, dass das benötigte Geld im Bankensystem zielgerichtet fließe. Zuvor hatte der IWF in seinem globalen Finanzstabilitätsbericht beklagt, dass vor allem in den ärmeren Euro-Staaten wegen Schwächen im Finanzsystem die günstigen Kredite noch nicht bei kleineren Unternehmen ankämen.

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