Staatsanwalt prüft

Zypern: Politiker sollen Billig-Kredite erhalten haben

Wirtschaft
01.04.2013 20:43
Die Finanzkrise auf Zypern fördert fast täglich neue Skandale zutage: Die Staatsanwaltschaft will ab Dienstag Vorwürfe prüfen, wonach Politiker und Unternehmer Kredite von zypriotischen Banken erhalten und diese nur zum Teil oder gar nicht zurückgezahlt haben sollen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag: "Uns steht viel Arbeit bevor."

Vergangene Woche hatten eine griechische Boulevardzeitung und ein griechisches Internet-Nachrichtenportal eine Liste mit Namen von Politikern veröffentlicht, die zwischen 2007 und 2012 Darlehen von den zwei in Schieflage geratenen Banken Bank of Cyprus und Laiki Bank erhalten haben sollen. Mit den Ermittlungen reagiert die Staatsanwaltschaft nun auf die Vorwürfe.

Die griechische Presse berichtete zudem, zypriotische und andere europäische Unternehmen hätten vor der Bankenschließung rund 700 Millionen Euro aus Zypern ins Ausland überwiesen. Daher soll nun eine aus Richtern zusammengesetzte Kommission Gerüchten nachgehen, denen zufolge Insider kurz vor der Schließung große Summen von ihren Konten abgehoben haben sollen. Das Parlament hat die Bildung dieser Kommission bereits beschlossen.

Unter ihnen soll nach einem unbestätigten Bericht der zypriotischen kommunistischen Oppositionszeitung "Charavgi" auch die Familie eines Schwiegersohns von Staatspräsident Nikos Anastasiades sein. Die Firma A. Loutsios and Sons Ltd. soll wenige Tage vor der Schließung der Banken Zyperns 21 Millionen Euro nach Großbritannien überwiesen haben. Präsident Anastasiades sprach von dem Versuch, ihn zu verleumden.

Wege aus der Krise gesucht
Unterdessen versucht Zypern weiter, Wege aus der Krise zu finden. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn erklärte zuletzt, der Inselstaat müsse seinen aufgeblähten Bankensektor bis 2018 auf EU-Normalmaß schrumpfen, sonst sehe die Zukunft "düster" aus. 

Ungewiss ist, ob und wie schnell das Mini-Euroland ein neues Geschäftsmodell findet. Die Ratingagenturen drohen der Inselrepublik derweil erneut mit der Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Experten gehen davon aus, dass Zypern noch länger am Tropf der Geldgeber hängen wird.

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