Auch wenn der Markt nicht transparent ist und exakte Zahlen schwer zu bekommen sind, wie Jon Hawkes, Analyst für Militärfahrzeuge bei der Beratungsfirma IHS Jane's, erklärt, würden Firmen einen Anstieg des Umsatzes bei kugelsicheren Autos um 30 bis 40 Prozent in den letzten vier bis fünf Jahren verzeichnen.
Nachfrage nach gepanzerten Wagen steigt stetig
Und das, obwohl der Markt für konventionelle Militärfahrzeuge aufgrund von Kürzungen in den Verteidigungshaushalten vieler Staaten jährlich um mehr als vier Prozent schrumpft, wie IHS Jane's vorrechnet. Die Nachfrage nach gepanzerten Wagen - äußerlich von Serien-Modellen kaum zu unterscheiden, aber mit Schutz vor Beschuss mit leichten Waffen und Granaten - steige jedoch stetig.
Kein Wunder also, dass auch deutsche Hersteller einige Varianten anbieten. Mercedes etwa hat kugelsichere Limousinen und Geländewagen in einer eigenen "Guard"-Serie im Angebot. Audi panzert auf Wunsch sein Flaggschiff A8L und BMW schützt ebenfalls Käufer von Limousinen und SUVs bei Bedarf vor Kugeln und Granat-Splittern.
Top-Modell von Mercedes um eine Million Euro zu haben
Der Preis für solche Fahrzeuge pendelt sich bei rund einer halben Million Euro ein - das Top-Modell von Mercedes, den Pullmann S-Guard 600, bekommt man aber erst für knapp eine Million Euro. Dafür fährt der stolze Besitzer dann aber auch in einem fast drei Tonnen schweren Luxuspanzer herum: Panzerstahl, Kohlefaser und rund 65 Millimeter dicke Spezialscheiben machen ihn zur rollenden Festung. Handgranaten, Sprengstoff, Maschinengewehrfeuer hält der Wagen laut Angaben des Herstellers aus.
Wichtige Märkte für die Sicherheitsfahrzeuge sind Osteuropa, der Nahe Osten und Südostasien, berichtet Wilfredo Rohwedder, Leiter des BMW-Produktmanagements für "Sicherheitsfahrzeuge".
Lukratives Geschäft mit Umrüstung von Gebrauchtwagen
Der größte Teil des Marktes wird jedoch von Sicherheitsfirmen abgedeckt, die gebrauchte Fahrzeuge nachträglich umrüsten. Das ist häufig deutlich günstiger, allerdings immer noch ein lukratives Geschäft: So kostet ein nachträglich gepanzerter Toyota-Geländewagen mit umgerechnet rund 115.000 Euro etwa das Dreifache der gewöhnlichen Version. Außerdem unterliegen außerhalb von Europa und den USA umgerüstete Fahrzeuge komplexen Exportbestimmungen.
Neu ist das Umrüsten von Serien-Fahrzeugen in Panzerschränke auf vier Rädern nicht. Autohersteller wie Sicherheitsfirmen werben mit jahrzehntelanger Erfahrung bei Staatskarossen. Neu sei das Ausmaß der Nachfrage in den vergangenen Jahren, sagen Beobachter - besonders in Ländern des Arabischen Frühlings.
Auftragsbücher der Firmen sind voll
"In den vergangenen fünf bis zehn Jahren war die Nachfrage nach Hochsicherheitsfahrzeugen in unseren wichtigsten Märkten besonders stark", bestätigt BMW-Manager Rohwedder den Trend. "Unsere Auftragsbücher sind voll", berichtet auch Marc Rouelle, ein belgischer Ingenieur und Chef der in Dubai ansässigen Sicherheitsfirma Ares. Viele solcher Sicherheitsfirmen haben sich im Nahen Osten angesiedelt. Die Nähe zu den Kriegsschauplätzen in Irak und Afghanistan sowie weiteren Krisengebieten bedeutet in diesem Industriezweig einen Standortvorteil.
Gepanzerter Ferrari als extravagantes Statussymbol
Nicht immer jedoch steht das Überleben eines Anschlags für Kunden im Vordergrund. Manche wünschen sich etwa einen gepanzerten Ferrari. Ein solcher Wagen sei eher ein extravagantes Statussymbol, erklärt IHS-Analyst Hawkes. "Diese Käufer sorgen sich nicht allzu sehr um die Kugelsicherheit ihres Wagens."
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