Sundt, seinem damaligen Finanzchef Colombo und Festnetzchef Fischer sowie dem seinerzeitigen Prokuristen Trimmel wurde vorgeworfen, dem Broker Johann Wanovits rund eine Million Euro aus der Kassa der teilstaatlichen Telekom bezahlt zu haben, um den Aktienkurs über die Schwelle von 11,70 Euro zu heben. Dadurch wurde ein Bonusprogramm ausgelöst, das den drei angeklagten Vorständen je rund 200.000 Euro netto und Trimmel rund 100.000 Euro gebracht hatte. Der Vorwurf lautete auf Untreue, der Strafrahmen betrug bis zu zehn Jahre. Fischer bekannte sich teilschuldig, während Sundt, Colombo und Trimmel auf nicht schuldig plädierten.
Richter: Fall wurde "abenteuerlich"
Richter Tolstiuk führte in der Begründung des Urteil des Schöffensenats aus, warum die Angeklagten bei der Kursaffäre Untreue begangen hatten, indem sie Wanovits Geld boten und gaben. Der Fall sei "abenteuerlich" geworden, als im Jahr 2004 Geldsackerl durch Wien getragen wurden. "Fischer, Colombo und Trimmel war sehr wohl bewusst, dass sie hier ihre Befugnis missbrauchen", sagte der Richter. Das einzig Richtige wäre gewesen, den Aufsichtsrat zu informieren. Die Aussagen von Ex-Prokurist Gernot Schieszler, der den Kronzeugenstatus anstrebt, seien glaubwürdig und richtig gewesen. Schieszler hatte umfassend ausgepackt, dadurch ist er nicht angeklagt worden.
Bei Sundt zu wenig Anhaltspunkte
Der Freispruch für Sundt wurde vom Richter damit begründet, dass es zwar Verdachtsmomente, aber zu wenig Anhaltspunkte für einen Schuldspruch gegeben habe. Sundt wollte den Freispruch nicht kommentieren, er erklärte lediglich, dass er erleichtert sei. Sein Anwalt zeigte sich vom Urteil wenig überrascht, schließlich sei in dem Verfahren klar geworden, dass der ehemalige Telekom-General nichts von den Manipulationen gewusst habe.
Colombos Verteidiger meinte, dass er nun den Gang zum Obersten Gerichtshof überlege. Schließlich sei es in dem Prozess in großem Maß um rechtliche Fragen gegangen. Man werde die dreitägige Bedenkzeit nutzen.
Zufrieden mit dem - vorläufigen - Urteilsspruch darf auf jeden Fall das derzeitige Telekom-Management sein. Dem Unternehmen wurde der Schaden vollumfänglich zur Wiedergutmachung durch die schuldig Gesprochenen zugewiesen. Hält das Urteil, müssen diese ihr Konto um insgesamt rund 9,9 Millionen Euro erleichtern.
Ankläger wollte vier Verurteilungen
Staatsanwalt Hannes Wandl hatte in seinem Schlussplädoyer Schuldsprüche für alle vier Angeklagten gefordert - das Verfahren gegen Wanovits war ausgeschieden worden, um einen weiteren Zeugen zu hören, und wird am 5. April fortgesetzt. Laut Wandl hätten Fischer, Colombo, Trimmel und Sundt Untreue gegenüber der Telekom verwirklicht.
Alle drei Ex-Vorstände seien in den "Tatplan" involviert gewesen, der Auftrag an Wanovits sei "eine Vorstandsentscheidung" gewesen. Fischer sei "tatsachengeständig", Colombo wiederum werde durch Fischer und Schieszler sowie durch seine eigenen Aussagen belastet. Und Sundt habe mit Colombo und Fischer darüber gesprochen und dem Tatplan zugestimmt, bezog sich der Ankläger auf Aussagen von Fischer und indirekt auch von Lobbyist Peter Hochegger.
Verteidiger sahen keine Schuldigen
Die Verteidiger wiederum zweifelten unisono an, dass die Vorwürfe überhaupt strafrechtlich relevant seien und ein Schaden für die Telekom entstanden sei. Die Anwälte von Fischer und Colombo versuchten die Aussagen von Schieszler als unglaubwürdig darzustellen, während der Anwalt von Sundt seinen Mandanten durch Schieszler entlastet sah. Der Verteidiger von Trimmel sah nur eine Nebenrolle seines Mandanten. Trimmel sei quasi nur dabei gewesen und habe sich auf das "Okay" durch die Vorstände verlassen.
Fischer: "Wir waren Teil eines Systems"
Ex-Festnetzvorstand Fischer rechtfertigte als Hauptangeklagter am Mittwoch vor Gericht sein Handeln einerseits als im Sinne des Unternehmens, zeigte allerdings auch Reue: "Wir waren Teil eines Systems, das System war augenscheinlich falsch." Er habe immer geglaubt, im Interesse des Unternehmens zu handeln und nichts Unrechtes zu tun. "Es tut mir leid", jetzt büße er für seine Fehler, so der ehemalige Vorstand. "Das Ganze hat mein Leben zerstört."
Er müsse die 500.000 Euro an Wanovits verantworten, die Hochegger aus einem von ihm, Fischer, unterzeichneten Telekom-Auftrag in bar generierte. Für den Rest des Geldes habe Hochegger aber Leistungen erbracht, betonte Fischer. Fischer verteidigte generell die Lobbying-Aufträge als "wichtig" für das Unternehmen. Auch wenn die Telekom heute alle Aufträge an Hochegger ohne Dokumentation als Scheinaufträge sehe, so sei es beim Lobbying immer mehr um das Erreichen eines Ergebnisses als um die Dokumentation der Leistung gegangen. Lobbying sei wichtig gewesen, um Schadenseinflüsse von der Telekom abzuwehren, meinte Fischer.
Colombo: "Ich bin nicht der Schuldige"
Der zweitangeklagte Colombo meinte in seiner Erklärung: "Ich muss ehrlich sagen, ich hatte kein Wissen davon, was jetzt bekannt wurde. Ich bin nicht der Schuldige." Zu Hochegger, der eine eigene Zutrittskarte für das Konzerngebäude hatte, habe er nie Kontakt gehabt. Er, Colombo, habe mit Vorstandskollegen lediglich von der Möglichkeit eines Einstieges eines Investors gesprochen, dies sei aber nichts Strafbares, sondern eine "ganz normale Geschäftsbeziehung". Zusammenfassend meinte Colombo: "Ich habe immer im Interesse der Telekom, der Kunden und der Mitarbeiter entschieden."
Sundt: "Ich habe nichts mitbekommen"
Ex-Generaldirektor Sundt betonte ebenfalls, dass er "von der Kursmanipulation nichts mitbekommen" habe. Den Broker Wanovits habe er erst im Gerichtssaal kennengelernt. Sehr wohl habe er sich aber dafür eingesetzt, dass der Telekom-Kurs auf legalem Wege steige. Hier kam Sundt allerdings in Erklärungsnotstand, da er nach dem medial breit diskutierten Kurssprung vom Februar 2004 entrüstet erklärt hatte, es habe keine Versuche zu einer Kurspflege gegeben. Fazit von Sundt zu der ganzen Causa: "Ich würde heute einem Banker mit höherem Misstrauen gegenüberstehen."
Trimmel: "Ich war nur eine Randfigur"
Ex-Prokurist Trimmels Erklärung vor Gericht fiel ausgesprochen kurz aus. Er sei "nur eine Randfigur" gewesen und bereue heute alles. Damals sei ihm die Causa aber nicht rechtswidrig vorgekommen.
Boni wurden teilweise zurückgezahlt
Was die Boni betrifft, so wurden diese von den Angeklagten übrigens nur teilweise zurückerstattet. Fischer hat 500.000 Euro, die aus Telekom-Geldern an Wanovits gezahlt wurden, aus eigenen Mitteln an den Konzern zurückgezahlt. Seine eigene Prämie aus dem Bonusprogramm hat er hingegen nicht refundiert und gedenkt dies auch weiterhin nicht zu tun. Trimmel hat seinen Bonus bereits vor längerer Zeit zurückgezahlt, Colombo hat dies erst am Dienstag nach sieben Verhandlungstagen getan – allerdings will er die Rückzahlung nicht als Schuldgeständnis sehen. Sundt lehnt die Rückzahlung seines Bonus weiterhin ab.
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