Ob aus Billig-Pflanzenfett zusammengemischter Analogkäse auf der Pizza wie vor wenigen Jahren oder Pferdefleisch-Tortellini wie jetzt gerade – den Appetit auf schnelles Essen lassen sich die Österreicher offenbar nicht verderben. "Der Trend zu Fertiggerichten ist ungebremst", bestätigt Gulliver Wagner, Manager bei Felix. Das Mattersburger Unternehmen, das nur vor Ort produziert, erzielte 2012 mit Gulaschsuppe, Chili, Reisfleisch & Co. 11,4 Prozent Umsatzplus.
"Es gibt immer mehr Singlehaushalte und das Bedürfnis nach schneller, einfacher Küche", analysiert auch Inzersdorfer-Mann Arno Szauter. Die Traditionsfirma setzt dabei ausschließlich auf heimische Lieferanten und bietet vor allem Hausmannskost.
Jeder Haushalt kauft um 105 Euro Fertiggerichte
So gut wie jeder kauft Fertiggerichte, im Schnitt werden laut Marktforscher GfK 105 Euro pro Jahr und Haushalt ausgegeben. Nach der Haushaltsbefragung der AMA, der Agrarmarkt Austria, ist der Markt 461 Millionen Euro schwer und verzeichnet ein Wachstum von 1,7 Prozent. Insgesamt am beliebtesten sind Pizza und andere Tiefkühlspeisen (254 Mio. Euro), gefolgt von gekühlten Fertiggerichten wie Lasagne (91 Mio. Euro). Leicht rückläufig ist nur Trockenware wie z.B. Nudelsnacks.
Tiefkühlriese Iglo profitiert voll von der Bequemlichkeit. "Fertiggerichte sind unser Wachstumstreiber", so Iglo-Chef Rainer Herrmann, "Hausmannskost legte 2012 um 7,8 Prozent zu, Lasagne und Saucen um 14 Prozent."
Bereits 40 Prozent des Geschäfts schnappen sich die Eigenmarken der Supermärkte. "'Chef Menü' hat frische, gekühlte Speisen, die in weniger als fünf Minuten erwärmt werden können", erläutert Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler (Chef Menü, Billa, Clever). Spar-Managerin Nicole Berkmann ergänzt: "Neben österreichischen Klassikern werden verstärkt vegetarische Gerichte nachgefragt."
Lidl-Sprecher: "Die Leute reagieren sachlich"
Selbst beim vom Pferdefleisch-Schwindel betroffenen Diskonter Lidl wird weiter eifrig Fertiges gekauft. Lidl-Sprecher Hansjörg Peterleitner: "Die Leute reagieren sachlich. Wir hatten bisher nur wenige Rückgaben betroffener Produkte."
Konkurrent Hofer hat andere Lieferanten, auch als die deutsche Mutter Aldi, und zudem sofort Tests von Rindfleischprodukten bei unabhängigen Labors durchführen lassen. Verkaufsrückgänge gäbe es deshalb keine. Ähnliches berichten der Zustelldienst bofrost oder Pizza-Marktführer Oetker. Geschäftsführer Hans Raunig: "Wir führen nur wenige Produkte mit Rindfleisch. Das stammt ausschließlich aus speziellen Rinderschlachthöfen, sodass es keine Vermischung geben kann."
Sogar ein Gutes in Lebensmittelskandalen sieht Peter Harrer von "Frisch&Frost" (Bauernland, Toni Kaiser): "Konsumenten greifen häufiger zu heimischen Qualitätsprodukten." Seine Speckknödeln liefere ein Weinviertler Fleischhauer, Faschiertes kommt aus Bruck/Mur, Leberknödeln aus dem Ennstal.
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