Max. ein Jahresgehalt

Gagenwahnsinn: EU streitet um Limit bei den Banker-Boni

Wirtschaft
22.02.2013 20:00
Der aktuelle Fall des Schweizer Novartis-Managers Daniel Vasella, der dafür, dass er nicht zur Konkurrenz wechselt, umgerechnet unglaubliche 58 Millionen Euro hätte bekommen sollen - dann aber aufgrund des öffentlichen Drucks verzichtet hat -, hat der Diskussion um Begrenzung der Managergagen neue Nahrung gegeben. So hat etwa die EU jetzt einen neuen Anlauf für Beschränkungen bei Banker-Gehältern genommen.

Was eine - derzeit dank dem Fall Vasella (siehe Infobox) - wieder diskutierte Begrenzung von Managergehältern betrifft, lehnen viele dort, wo kein öffentliches Geld im Spiel ist, einen Eingriff in die private Marktwirtschaft ab. Anders wird das aktuell bei den Banken gesehen. Mit hochriskanten Geschäften haben sie zum Ausbruch der Finanzkrise beigetragen, viele mussten mit Staatsgeld "gerettet" werden, trotzdem gab und gibt es "Superboni" bis zum x-Fachen des Normalgehaltes.

Maximal-Bonus soll höchstens ein Jahresgehalt sein
Die EU-Parlamentarier argumentieren, dass hohe Boni zu hochriskanten Spekulationen verleiten, und wollen daher für Banker per Gesetz eine Begrenzung erreichen. Der maximale Bonus soll höchstens ein Jahresgehalt sein. Doch die am Dienstag wieder aufgenommen Verhandlungen stocken, es gibt Widerstände aus den Mitgliedsstaaten, vor allem aus Großbritannien. Am 27. Februar wird es noch einen weiteren Verhandlungstermin in Brüssel geben.

In Österreich ist man da schon weiter: Seit dem Vorjahr dürfen variable Bezüge bei Bankergehältern, wenn sie 100 Prozent des Fixums übersteigen, zu 60% nur gestaffelt auf fünf Jahre ausbezahlt werden, die Finanzmarktaufsicht muss das auch genehmigen.

Kann die Arbeit eines Menschen so viel wert sein?
Larry Ellison, Chef des Software-Riesen Oracle, hat im letzten Geschäftsjahr umgerechnet 58 Millionen Euro verdient. Phillipe Dauman, Boss von Viacom (US-Kabel TV usw.), kam diesmal "nur" auf umgerechnet 25 Millionen Euro, dafür waren es im Jahr davor noch 63 Millionen Euro. Unvorstellbare Summen für einen Einzelnen, die oft durch Gratisaktien usw. sogar noch erhöht werden. Doch in den USA, dem "Mutterland des Kapitalismus", regen solche Zahlen nur selten auf. Die Frage, ob die Arbeit eines Menschen so viel wert sein kann, stellt sich trotzdem.

Die Europäer geben es vergleichsweise billiger: Topverdiener war hier zuletzt Maurice Levy (Kommunikationsriese Publicis) mit über 19 Millionen Euro, gefolgt von Ex-Barclays-Vorstand Bob Diamond mit 17,5 Millionen Euro, auch VW-Konzernlenker Martin Winterkorn ging mit 17,5 Millionen Euro nach Hause.

Austro-Manager mit vergleichsweise "kleinen" Gehältern
Verglichen mit diesen Beträgen, verdienen Österreichs Topmanager geradezu wenig: Erste-General Andreas Treichl kam zuletzt auf eine Jahresgage von 2,4 Millionen Euro. Bei OMV-Boss Gerhard Roiss waren es 1,8 Millionen Euro. Andritz-Chef Wolfgang Leitner und sein Kollege bei Lenzing, Peter Untersperger, lagen ebenfalls bei über zwei Millionen Euro.

Nicht von der Hand zu weisen ist die Tatsache, dass die Vorstandsbezüge inklusive Boni und Gewinnbeteiligungen allein in den letzten zehn Jahren stark angestiegen sind, vor allem im Verhältnis zum Lohnniveau "normaler" Beschäftigter. Spitzenreiter sind die USA, wo ein Konzernchef im Schnitt neun Millionen US-Dollar verdient, in Europa "führt" Großbritannien mit 5,3 Millionen Euro vor Deutschland (4,3 Millionen Euro). Österreich liegt mit durchschnittlich 1,8 Millionen Euro auf Platz zehn.

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