Telekom-Prozess

Urteil fällt erst am Mittwoch – weiterer Zeuge geladen

Wirtschaft
22.02.2013 15:21
"Heute fällt kein Urteil": Weil noch ein Zeuge vor Gericht erscheinen muss, der wegen Abwesenheit der Ladung bisher nicht Folge leisten konnte, hat Richter Michael Tolstiuk den Telekom-Prozess am Freitag vertagt. Nun werden die ersten Urteile für Mittwoch erwartet – zumindest für vier der fünf Angeklagten. Das Verfahren gegen den Broker Johann Wanovits könnte ausgeschieden werden, um auf die Befragung des Zeugen zu warten, der erst Mitte März zurückkehrt. Anträge auf zusätzliche Zeugen und Gutachten wurden abgewiesen.

Die Anwälte der Beschuldigten - unter ihnen die drei ehemaligen Telekom-Manager Heinz Sundt, Rudolf Fischer (rechts im Bild) und Stefano Colombo (links) sowie der Broker Wanowitz - verteidigten am Freitag die Handlungen ihrer Mandanten: Der Vorstand habe nur einen "rechtswidrigen Angriff" auf den Kurs der Telekom-Aktie abgewehrt, so der Anwalt Wanovits', Manfred Ketzer, in seinen Ausführungen. "Hier lagen sehr wohl rechtswidrige Angriffe vor, die Finanzmarktaufsicht hat sich schlichtweg nicht darum gekümmert." Ketzer ortet "kursdrückende Maßnahmen" der Deutschen Bank, die mit Telekom-Aktien gehandelt habe.

Der Vorstand habe gehandelt, um die Gefahr für das Unternehmen - worin der Anwalt die Nicht-Aktivierung des Manager-Prämienprogramms sieht - abzuwehren. Daher sei es gerechtfertigt gewesen, Wanovits zu ersuchen, den Kurs der Aktie zu heben. Wenn das Prämienprogramm nicht schlagend geworden wäre, hätte dies für das Image des Unternehmens und somit für den Unternehmenswert Schaden verursacht.

Revisor: "Vorstände zahlten Prämien nicht zurück"
Am Freitagvormittag hatte zudem der interne Revisor der Telekom im Zeugenstand über die Scheinaufträge des Unternehmens an den Lobbyisten Peter Hochegger sowie das Manager-Optionsprogramm Auskunft gegeben. Das millionenschwere Prämienprogramm für 96 Telekom-Manager sei durch den Kurssprung in letzter Minute ausgelöst worden, den der Broker Wanovits für eine Gegenleistung von fast einer Million Euro aus der Telekom erzielt hatte. Die nun wegen Untreue angeklagten Ex-Telekom-Vorstände hätten ihre Prämien nicht zurückgezahlt, so der Zeuge.

Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft
Die drei früheren Telekom-Vorstandsdirektoren sind wegen schwerer Untreue mit über zehn Millionen Euro Schaden für die Telekom Austria angeklagt. Der frühere Prokurist Josef Trimmel und der Broker Wanovits sollen Beihilfe geleistet haben. Den Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Laut Anklage bezahlten die Ex-Vorstände Wanovits fast eine Million Euro, weil er im Jahr 2004 den Aktienkurs über die entscheidende Schwelle hob, die das Manager-Optionsprogramm auslöste und ihnen hohe Prämien brachte. Fischer hat ein Teilgeständnis abgelegt, die anderen Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Die Anklage stützt sich auf Aussagen von Ex-Festnetz-Vorstand Gernot Schieszler, der den Kronzeugenstatus anstrebt. Er hatte bei seinem Auftritt im Zeugenstand seine früheren Kollegen am Dienstag schwer belastet.

Am Mittwoch stand die Einvernahme von Lobbyist Peter Hochegger auf dem Programm, der unter anderem aussagte, mit einem millionenschweren Geldgeschäft bloß einer Bitte der Telekom entsprochen zu haben (die Berichte zu allen Prozesstagen findest du in der Infobox).

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