Boeing produziert weiter auf Hochtouren, berichtete die "New York Times" am Mittwoch. Ausgeliefert wird derzeit allerdings nicht. Das führt zwangsläufig zu Platzproblemen. Besonders prekär ist die Lage auf dem größten Boeing-Werk in Everett etwa 50 Kilometer nördlich der Großstadt Seattle: Dort stehen die nagelneuen Flugzeuge praktisch Nase an Heck (siehe Bild) - und das auf einer Gesamtfläche von 415 Hektar.
Wie bestellt und nicht abgeholt
"Überall stehen geparkte 787-Maschinen", berichtete die Reporterin Mary Kirby aus Everett. Auch im Werk in North Charleston in South Carolina wird weiter am Fließband produziert. Die dortigen 110.000 Quadratmeter Fläche werden ebenfalls langsam knapp. Nun überlegt Boeing laut Insidern, sich vorübergehend auf gigantischen externen Flugzeugabstellplätzen einzuquartieren - etwa in der Wüste von Arizona.
Gegenüber der "New York Times" streitet das Unternehmen die kolporierten Parkplatzsorgen ab. "Wir haben genug Platz, um unsere Flugzeuge im Everett-Werk unterzubringen", teilte Boeing-Sprecher Marc Birtel der Zeitung mit. Weitere Auskünfte wollte er nicht geben. "Wir werden öffentlich nicht über Fragen der Auslastung in der Zukunft spekulieren", so Birtel.
Produktionsstopp wäre teuer
Boeing sitzt freilich in der Zwickmühle: Einerseits ist es eine logistische Herkules-Aufgabe, in einem Ausmaß wie vor der Dreamliner-Krise zu produzieren, ohne die Flugzeuge ausliefern zu können. Andererseits käme ein Produktionsstopp dem Unternehmen teuer zu stehen. Schließlich muss eine Reihe von Abkommen mit den über mehrere Kontinente verstreuten Zulieferern eingehalten werden.
Zehn-Punkte-Plan soll aus Schlamassel führen
Am Freitag soll Boeing laut "Wall Street Journal" der US-Luftfahrtbehörde einen Zehn-Punkte-Plan zur Lösung der Batterie-Probleme vorlegen. Unter anderem soll ein feuerfestes Gehäuse die Brandgefahr minimieren. Außerdem sollen die Checklisten für die Piloten vor dem Start erweitert werden.
Im Jänner war es zu einem Feuer in einem am Boden stehenden Dreamliner gekommen (siehe Infobox). Nach den bisherigen Ermittlungen der US-Sicherheitsbehörde NTSB war es in der Batterie zu Kurzschlüssen gekommen. Bei einer anderen Maschine hatte die Batterie in der Luft zu schmoren begonnen, worauf der Pilot notlandete. Als Konsequenz wurde ein weltweites Flugverbot über die 50 im Dienst stehenden Dreamliner verhängt.
United Airlines: Flugstopp mindestens bis Mitte Mai
Wie lange die betroffenen Maschinen noch auf ihre nächsten Einsätze warten müssen, ist völlig unklar. Die US-Fluggesellschaft United Airlines zeigte sich zuletzt pessimistisch: Am Dienstag teilte der Konzern mit, bis zum 30. März keine Dreamliner-Flüge einzuplanen. Zwei Tage danach hieß es, die sechs Boeing 787 der Fluggesellschaft blieben mindestens bis 12. Mai am Boden.
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