500 Megabit schnell

Britische Senioren bauen ihr eigenes Glasfaser-Internet

Web
18.02.2013 11:01
Bewohner ländlicher Gebiete kennen es: Während verwöhnte Städter mit Geschwindigkeiten jenseits der zehn Megabit pro Sekunde durch das Web surfen, bleibt der Landbevölkerung oft nichts anderes übrig, als mit zwei Megabit pro Sekunde im Schildkrötentempo von Website zu Website zu kriechen. Ein kleines britisches Dorf will diesen Zustand nicht länger hinnehmen und hat sich kurzerhand selbst geholfen: In Arkholme buddeln Pensionisten Gräben und verlegen Glasfaserleitungen. Erste Haushalte sind bereits online.

Das pensionierte Ehepaar Harry und Susan Ball war bis vor kurzem alles andere als zufrieden mit seiner lahmen Internetverbindung. Die beiden Briten hätten keine allzu große Erfahrung im Umgang mit dem Computer gehabt und sich bereits damit abgefunden, dass in ihrer abgelegenen Gemeinde wegen der langsamen Internetverbindungen Skype-Telefonate oder Online-Videos nicht zur Verfügung standen, berichtet die britische TV-Anstalt BBC. Mittlerweile streamt Harry Ball aber HD-Filme und Susan Ball buddelt Gräben für Glasfaserkabel.

Bürgerinitiative buddelt Gräben für Glasfaser-Leitungen
Der Grund: Sie hat sich der Bürgerinitiative "B4RN" angeschlossen, die sich der Aufgabe verschrieben hat, die Bewohner der entlegenen Gemeinde mit pfeilschnellem Glasfaserinternet zu versorgen. Die großen Telekommunikationsdienstleister hatten den Bewohnern von Arkholme zuvor eine Abfuhr erteilt. Schnelle Glasfaseranschlüsse in ländlichen Gefilden seien zu teuer und würden fast 12.000 Euro pro angeschlossenem Haushalt kosten. 

Jetzt buddeln die Arkholmer in Eigenregie Gräben, verlegen Glasfaserkabel und bauen ihr eigenes 500-Megabit-Netzwerk auf. Freiwillige aus der ganzen Umgebung sind an dem Projekt beteiligt. Grundbesitzer geben die Erlaubnis, die Kabel über ihr Land zu verlegen. Pensionisten buddeln die Gräben und verlegen die Kabel. Und das Know-how hat sich die Bürgerinitiative kurzerhand bei einem Universitätsprofessor für Netzwerktechnik beschafft. Eine pensionierte IT-Servicemitarbeiterin überwacht die Arbeiten.

500-Mbit-Internet für rund 35 Euro im Monat
Rund 600.000 Euro hat die Bürgerinitiative für ihr Projekt gesammelt, die ersten Haushalte sind bereits angeschlossen. Jetzt soll das Projekt weiter ausgedehnt werden. Weitere 1,74 Millionen Euro braucht die Initiative noch, bis das ehrgeizige Projekt fertig gestellt ist. Das Geld kommt von Ortsansässigen, denen im Gegenzug pfeilschnelles Glasfaser-Internet um knapp 35 Euro im Monat versprochen wird. 

Um weitere Unterstützer zu gewinnen, wurde erst kürzlich im Arkholmer Gemeindehaus eine Informationsveranstaltung organisiert, bei der sich die Einwohner selbst ein Bild von der Qualität der Do-it-yourself-Internetverbindung machen konnten. Die Bevölkerung sei eingeladen gewesen, selbst Notebooks und Smartphones mitzubringen, um sich im Gemeindehaus von der Qualität der Leitung zu überzeugen, so der Sender. 

Breitbandpaket der Regierung greift nur langsam
Barry Ford, der Netzwerkexperte, der die Arbeiten von "B4RN" koordiniert, zur BBC: "Bauern wird heute gesagt, sie sollen Online-Formulare ausfüllen. Ohne Breitbandanschluss ist man da schwer benachteiligt", erklärt er die Motivation der "B4RN"-Mitglieder, ihr Breitband-Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Die britische Regierung habe zwar ein 614 Millionen Euro schweres Breitband-Paket bewilligt, mit dem entlegene Dörfer mit schnellem Internet versorgt werden sollen, allerdings seien trotzdem viele Dörfer zu langen Wartezeiten verdammt, bevor sie endlich mit vernünftigen Geschwindigkeiten durchs Netz surfen können, berichtet der Sender. Da könnten Bürgerinitiativen wie "B4RN" durchaus auch in anderen Dörfern noch Schule machen. 

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