Um vorhersagen zu können, was in der Zukunft passiert, blickten Eric Horvitz von Microsoft Research und seine Kollegin aus Israel, Kira Radinsky, zunächst zurück: Anhand von Zeitungsartikeln der "New York Times", die zwischen 1986 und 2007 veröffentlicht wurden, sowie verschiedenen Online-Datenbanken ermittelten sie Indizien bzw. Auslöser für zukünftige Ereignisse.
So fanden sie dem Bericht nach etwa heraus, dass Umweltereignisse wie Dürren oder heftige Stürme in den folgenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit Cholera-Epidemien nach sich ziehen. Erste Tests mit historischen Daten verliefen vielversprechend: Mit einer Genauigkeit von 70 bis 90 Prozent sagte die Software zurückliegende Ereignisse wie Seuchenausbrüche oder kriegerische Konflikte korrekt voraus.
Basierend auf Berichten aus dem Jahr 2006 über eine Dürre in Angola prognostizierte die Software etwa eine spätere Cholera-Epidemie richtig. Ein schwerer Sturm 2007 in Afrika wiederum resultierte bereits eine Woche später in Cholera-Erkrankungen. Auch in diesem Fall sagte die Software unter Berücksichtigung weiterer Faktoren wie Standort, Bevölkerungsdichte oder etwa Bruttoinlandsprodukt das Ereignis präzise voraus.
Für Eric Horvitz sind die Ergebnisse nur ein Vorgeschmack auf das, was durch Datenanalyse künftig möglich sein wird: "Eines Tages wird diese Art der Arbeit einen Einfluss darauf haben, wie sich Dinge für den Menschen entwickeln." Vieles habe sich im Lauf der letzten Jahrzehnte verändert, aber die menschliche Natur und Aspekte der Umwelt seien unverändert geblieben, wodurch es für eine Software möglich sei, selbst in alten Datensätzen Muster zu erkennen, die eine Zukunftsprognose erlaubten.
Pläne, die Software zu kommerzialisieren, gibt es bei Microsoft derzeit laut Horvitz zwar nicht, dennoch solle die Entwicklung weiter vorangetrieben werden. So will der Microsoft-Forscher künftig auch digitalisierte Bücher in die Vorhersagen miteinbeziehen, um irgendwann mit seiner Software unter anderem Hilfsorganisationen in ihrer Arbeit zu unterstützen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.