Salzburger Festspiele

Ein Versager muss einen Filmregisseur spielen

Kritik
14.08.2024 17:22

Mariame Clément inszeniert Jacques Offenbachs „Contes d’Hoffmann“ – und schickt den Titelhelden wieder einmal auf ein Filmset. Die Rechnung geht nicht auf. Das Publikum sparte nicht mit Buhs. Dafür wurde Benjamin Bernheim als Hoffmann gefeiert.

kmm

Vorjahr setzte Christoph Marthaler „Falstaff“ in den Sand, indem er Verdis Oper als Filmdreh missdeutete. Heuer huldigt die Pariserin Mariame Clément diesem nervenden Regiemodeschrei und verpfuscht „Les Contes d’Hoffmann“: Filmregisseur Hoffmann, ein biederer Neurotiker, den #MeToo-Kämpferinnen nicht einmal ignorieren würden, bannt seine Weibergeschichten – und Hirngespinste – auf Zelluloid. Der Versager gebärdet sich als Star. Interessant? Nein.

Die drei im Werk aufregend schönen, tragischen Liebesepisoden werden da zu oberflächlichen Drehs, in denen die Beziehungstragödien mitsamt Leidenschaft, Wahn, Dämonie abhandenkommen. Da erschüttert in Julia Hansens indifferenten, grauen Bühnenbildern nichts. Offenbachs Fantasie, Pathos und Witz bleiben im Drehklischee stecken. Wo bleibt die Wutszene mit der Zerstörung der Puppe Olympia, wo der erschütternde mystische Tod Antonias?

Der Poet E.T.A. Hofmann als Filmregisseur (Kathryn Lewek und Benjamin Bernheim)
Der Poet E.T.A. Hofmann als Filmregisseur (Kathryn Lewek und Benjamin Bernheim)(Bild: Monika Rittershaus, Salzburger Festspiele)

Recht bieder klingt Salzburg-Debütant Marc Minkowskis Dirigat am Pult der hörbar genervten Wiener Philharmoniker. Sein Versuch, den Spagat zwischen Originalklangvorstellungen und Opéra fantastique zu schaffen, gelingt nicht. Dass er die Rezitativfassung wählte, ist gut.

Erfreulicher ist die Besetzung, die der fabelhafte französische Tenor Benjamin Bernheim als Hoffmann mit Wärme, Leuchtkraft, Noblesse im Timbre souverän anführt. Sopranistin Kathryn Lewek kämpft sich durch ihre Arien in der Originaltonart: mitunter virtuos, aber im Kraftakt zwischen Dramatik und Koloratureleganz wenig französisch.

Kate Linsey ist eine flott-amüsante Muse. Christian Van Horn singt als Dapertutto die erste Version der berühmten Spiegelarie. Sein Lindorf, Coppelius und Mirakel sind kaum dämonisch. Wie auch „Spalanzani“ Michael Laurenz. Solide: Marc Mauillon, Geraldine Chauvet, Jérôme Vernier. Oft unpräzise der Staatsopernchor.

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