Auch wenn es mit der AUA wirtschaftlich bergauf geht - im Vorjahr konnte die Lufthansa-Tochter mithilfe des Flugbetriebsübergangs von der Austrian auf die Tyrolean Airways eine Kostenreduktion von zwölf Prozent und eine Erlössteigerung für sich verbuchen -, kommt das Unternehmen nicht zur Ruhe.
Besonders verhärtet sind die Fronten seit dem kurz vor Weihnachten 2012 angekündigten Abbau von 150 Mitarbeitern aus dem kaufmännisch-technischen Bereich (siehe Infobox) - ein Plan, der 2013 umgesetzt werden soll. Wasser auf die Mühlen der verärgerten Mitarbeiter haben zudem vom Betriebsrat kolportierte Gehaltserhöhungen für Manager von mehr als zehn Prozent und Kündigungen von Personal im Krankenstand gegossen.
"Wir sind gesprächsbereit, wollen das Unternehmen gemeinsam sanieren - was wir laufend bewiesen haben", erklärte Minhard nach der Versammlung im Rahmen einer Pressekonferenz. "Wir schließen jetzt Kampfmaßnahmen aber nicht mehr aus. Wir machen ein letztes Angebot für konstruktive Gespräche. Zwar stehen wir zum Sanierungskurs, irgendwann muss der Zynismus (des Vorstandes, Anm.) aber enden!" Die Gewerkschaften wollen die Betriebsräte unterstützen. Ein "Drüberfahren" dürfe es nicht geben. Für die Mitarbeiter, die abgebaut werden, wird ein Sozialplan gefordert. In einer Petition fordern Boden- und Luftpersonal unter anderem einen nachhaltigen Sanierungsplan für das Unternehmen über 2015 hinaus.
"Unternehmen muss aus dem Dreck gezogen werden"
Auch den "weiterhin fehlenden Kollektivvertrag" kritisierten die Betriebsräte. Nach wie vor gebe es keine Verhandlungen für das fliegende Personal. "Daher liegt die Vermutung nahe, die AUA will offenbar ohne KV weiterarbeiten um mittels Änderungskündigungen weitere Einschnitte bei den Gehältern und Sozialleistungen zu erreichen", so die Personalvertreter.
"Die Stimmung unter den Mitarbeitern ist total am Boden", sagte Betriebsrätin Didem Strebinger. Sie glaubte nicht an die angeblichen Synergieeffekte von 17 Millionen Euro im Jahr durch den Betriebsübergang. "Das ist wirtschaftlich nicht glaubhaft vorgestellt", lautet ihre Kritik. Minhard forderte: "Das Unternehmen muss aus dem Dreck gezogen werden."
AUA-Chef bestreitet Vorwürfe vehement
Die Lohnerhöhungen werden seitens der AUA vehement bestritten. "Diese Behauptung ist totaler Unfug", sagte AUA-Chef Jaan Albrecht im Ö1-"Morgenjournal" am Freitag. Das Top-Management habe auf wesentliche Teile seines Gehalts verzichtet.
Albrecht glaubt auch nicht, dass der Unmut des Betriebsrates von der Belegschaft geteilt wird: "Wir haben ein perfektes Programm, auch im Dezember sind wir pünktlich geflogen. Die Mitarbeiter sind motiviert. Ich bin extrem stolz auf diese Leistung unserer Mitarbeiter. Sie glauben langsam an eine bessere Zukunft in der Austrian Airlines", meinte er.
Vor einem Jahr sei der Fortbestand der AUA in Gefahr gewesen, jetzt sei "die Situation eine ganz andere", es werde mit dem Betriebsrat Boden über Themen verhandelt, die damals noch offen gelassen wurden. "Und wir sind in positiven Gesprächen mit der Gewerkschaft, mit dem Betriebsrat", erklärte Albrecht.
Flugausfälle und Verzögerungen wegen Versammlungen
An der ersten gemeinsamen Betriebsversammlung von Bord- und Bodenpersonal nahmen am Freitag rund 1.200 Mitarbeiter teil. Auch Tyrolean-Mitarbeiter waren in Wien und versammelten sich auch in Innsbruck. Die Versammlungen haben auch zu mehreren Flugausfällen bzw. Verspätungen im Flugverkehr geführt. Gestrichen wurden Flüge nach Prag, Sofia, Bukarest und Kairo. Auf der Langstrecke verzögerten sich Flüge nach New York, Washington und Toronto um bis zu zwei Stunden.
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