Regime kritisiert

Erneut Journalist in Weißrussland tot aufgefunden

Ausland
21.01.2013 14:35
In Weißrussland ist erneut ein regierungskritischer Journalist tot aufgefunden worden. Der Reporter Juri Gumenjuk, der auch für einen polnischen Radiosender arbeitete, sei am Samstag vermutlich beim Sturz aus dem achten Stock eines Wohnhauses ums Leben gekommen, berichteten weißrussische Medien am Montag. In dem von "Europas letztem Diktator" Alexander Lukaschenko (Bild) autoritär geführten Land gibt es immer wieder rätselhafte Todesfälle unter Medienvertretern und Menschenrechtlern.

Die Leiterin der weißrussischen Redaktion des polnischen Rundfunks, Nina Barszczewska, sagte dem regimekritischen Sender Radio Swoboda, es sei "schwer, an einen Selbstmord Gumenjuks zu glauben". Der 43-Jährige habe in keinster Weise depressiv gewirkt und im Gegenteil sehr aktiv in der Redaktion gearbeitet - unter einem Pseudonym. "Er hat mir vor einiger Zeit gesagt, dass man ihn umbringen will", so Barszczewska.

Wie das regierungskritische Internetportal charter97.org am Montag schrieb, wirft der Tod Gumenjuks viele Fragen auf. Die Mutter des auch als Poeten bekannten Mannes ging davon aus, dass ihr Sohn, der in seinen Beiträgen oft Lukaschenkos Regime kritisiert hatte, ermordet wurde. Der Vertreter des Ermittlungskomitees, Sergej Scherschenewitsch, hingegen teilte mit, Gumenjuk habe sich "mit höchster Wahrscheinlichkeit" das Leben genommen. Der Todesfall in der Stadt Grodno im Westen des Landes werde nun untersucht.

"Europas letzter Diktator" regiert mit harter Hand
Lukaschenko regiert Weißrussland seit 18 Jahren mit harter Hand, Kritikern droht der Sowjetnostalgiker mit stalinistischen Methoden. Auch deshalb steht der 58-Jährige mit der hohen Stirn und dem markanten Schnauzer auf einer Schwarzen Liste der EU und darf wie auch über 200 Staatsbedienstete nicht in den Westen reisen. Umso enger ist die Verbindung dafür mit Russland. Mithilfe von billigem Gas und Öl aus dem "Bruderland" sichert er sich die Sympathien der verarmten Landbevölkerung.

In der Öffentlichkeit zeigt sich der Machthaber gerne als fürsorglicher Vater - mit seinem außerehelichen Sohn Nikolai, genannt Kolja. Um den Achtjährigen betreibt Lukaschenko, den seine Untertanen nach seinem Willen "Batka" (Väterchen) nennen sollen, einen bizarren Kult. Kolja begleitet das Staatsoberhaupt auch auf Auslandsreisen und sitzt bei hochrangigen Treffen auf seinen Knien. Der Bub müsse genau aufpassen - schließlich sei er ein möglicher Nachfolger, sagte der stolze Vater einst.

"Habe mir gedacht: Lieber Diktator sein als schwul"
Eine Demokratie westlicher Prägung lehnt Lukaschenko ab, internationale Kritik lässt der Präsident mit der Fistelstimme an sich abperlen. Dabei vergreift er sich oftmals im Ton. Auf scharfe Kritik des bekennenden homosexuellen deutschen Außenministers Guido Westerwelle im Herbst vergangenen Jahres sagte Lukaschenko etwa: "Ich habe mir gedacht: Lieber Diktator sein als schwul." Mit Ausnahme von Monarchen ist in Europa kein Staatsoberhaupt so lange an der Macht wie Lukaschenko.

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