„Krone“-Kommentar

Forderung nach der Schandmaske

Kolumnen
19.07.2024 06:00

Die Methode ist nicht neu bei den Blauen. Permanent wird das Sprachniveau nach unten nivelliert, bis verbale Entgleisungen zur Normalität werden. In Asylfragen hat die FPÖ mit dieser Praktik die Radikalisierung der Sprache vorangetrieben.

Die jüngste Äußerung von Harald Vilimsky, dem FPÖ-Delegationsleiter im EU-Parlament, markiert einen neuen Tiefpunkt. Doch dieses Mal geht es nicht um Migration, sondern um ungenierte Frauenverachtung.

In einer Pressekonferenz bezeichnete er die EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola, EZB-Präsidentin Christine Lagarde und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als „politisches Hexentrio“.

Dieser Sexismus reichte Vilimsky noch nicht, es musste auch noch eine Gewaltandrohung in das Statement verpackt werden: So kündigte er an, dass er dieses „Gruselkabinett die Peitsche spüren lassen werde“.

Fast zeitgleich warnte Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei den Bregenzer Festspielen davor, dass „Verachtung kein Wahlprogramm“ sein dürfe. Ein Appell, der bei den Blauen wohl ungehört verhallen wird.

Die Frauensprecherinnen von SPÖ und Grünen fordern nun eine Entschuldigung. Um in Vilimskys Sprache zu sprechen, wäre die Forderung nach der Schandmaske wohl angebrachter. Im Mittelalter war die Eisenmaske eine Bestrafungsmethode für Beleidigung oder moralische Verfehlungen. Die Träger der Maske wurden so öffentlich dem Gespött preisgegeben.

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