Chaos bei Demokraten
Biden wankt: Wer als Kandidat einspringen könnte
Noch stehen die Schwergewichte der US-Demokraten trotz der desaströsen Leistung von Präsident Joe Biden im ersten TV-Duell vor der Wahl im November hinter dem 81-Jährigen. Doch die Gerüchte um einen Rückzug Bidens werden lauter und auch Namen möglicher Ersatzkandidatinnen und -kandidaten werden immer häufiger genannt. Ein Überblick:
Kamala Harris
Die 59-Jährige scheint eine offensichtliche Wahl – als Vizepräsidentin würde sie etwa im Todesfall Bidens die Aufgaben des Staatschefs übernehmen. Die Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin ist eine Pionierin: Sie war die erste Frau im Vizepräsidentenamt, zudem war kein Amtsinhaber vor Harris schwarz. Einige Jahre zuvor war die Juristin schon als erste Frau und erste Schwarze Generalstaatsanwältin ihres Heimatstaates Kalifornien geworden.
Als Staatsanwältin hat sich Harris den Ruf erarbeitet, streng zu sein – das könnte sie im Wahlkampf, der sich um Einwanderung und Kriminalität drehen dürfte, zu ihrem Vorteil nutzen. Allerdings haben einige Demokraten auch ihre harten Strafen für minderjährige Täter kritisiert, da davon unverhältnismäßig viele Angehörige von Minderheiten betroffen seien.
Es gibt jedoch keine Regel, dass eine Vizepräsidentschaftskandidatin auch die designierte Nachrückerin als Präsidentschaftsbewerberin ist. Die einstige Senatorin Harris kommt nur auf klägliche Zustimmungswerte, weshalb sich die Demokraten im Fall der Fälle nach einer anderen Möglichkeit umschauen könnten.
Gavin Newsom
Der Name des Gouverneurs von Kalifornien taucht in den Diskussionen um eine mögliche Nachfolge Bidens immer wieder auf. Der 56-Jährige war einst Bürgermeister von San Francisco und regiert seit fünf Jahren den bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA. Unter anderem hat er Kalifornien zu einem Zufluchtsort für Abtreibungswillige gemacht. Bisher hat Newsom Biden stets den Rücken gestärkt – doch zugleich machte er nie einen Hehl aus seinen eigenen Präsidentschaftsambitionen.
In den vergangenen Monaten ist Newsom verstärkt international gereist, hat mehrfach Werbung geschaltet, in der seine Leistungen angepriesen wurden, und Millionenbeträge in ein Komitee investiert, das seinen Wahlkampf unterstützt. Damit hat er Spekulationen genährt, dass er sich 2028 um die US-Präsidentschaft bewerben will – also warum nicht schon 2024?
Gretchen Whitmer
Michigan ist einer der sogenannten Swing States, in denen weder die Demokraten noch die Republikaner mit einem klaren Sieg rechnen können und die letztlich entscheidend für den Ausgang der Präsidentschaftswahl am 5. November sind. Für die Unterstützer von Michigans Gouverneurin Gretchen Whitmer ist das ein starkes Argument für eine Kandidatur der Politikerin.
Die 52-Jährige ist eine scharfe Kritikerin des republikanischen Ex-Präsidenten Donald Trump. So wurde sie sogar zum Ziel einer geplanten Entführung durch eine rechte Miliz. In ihrem Bundesstaat leben viele schwarze und arabisch-amerikanische sowie viele der Arbeiterklasse zugehörige Wähler – Bevölkerungsschichten, die Biden bisher nur mit Mühe umwerben konnte.
Whitmer selbst hat Gerede um eine Kandidatur zurückgewiesen. Sie stehe im Kampf gegen Trump „zu 100 Prozent“ hinter Biden, gab sie an.
Josh Shapiro
Der 51-jährige Josh Shapiro regiert als Gouverneur von Pennsylvania den größten Swing State. Vor seinem Antritt als Gouverneur Anfang 2023 war Shapiro in Pennsylvania zweimal zum Generalstaatsanwalt gewählt worden.
In diesem Amt ging er etwa gegen Purdue Pharma vor, den Produzenten des stark süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin. Shapiro ist ein eindringlicher Redner und ein erklärter Zentrist – beide Eigenschaften könnten ihn dazu bringen, ein Amt auf nationaler Ebene anzustreben.
Weitere Kandidaten – und was ist mit Michelle Obama?
Neben den Genannten zirkulieren die Namen des Gouverneurs von Illinois, JB Pritzker, seines Amtskollegen in Maryland, Wes Moore, und des Gouverneurs in Kentucky, Andy Beshear. Allerdings scheinen die Chancen der drei Gouverneure nicht besonders groß. Auch die Namen von Senatorin Amy Klobuchar und Verkehrsminister Pete Buttigieg sind in der Diskussion um eine mögliche Biden-Nachfolge bereits gefallen.
Immer wieder genannt wird auch die frühere First Lady Michelle Obama, die für viele Demokraten eine Lichtgestalt ist. Sie hat jedoch in der Vergangenheit konsequent betont, dass sie kein politischer Mensch sei und nie Interesse am Präsidentenamt gehabt habe.













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