Weil das Parlament jedoch kein Vetorecht hat, konnte das Votum der Abgeordneten gegen den 63-Jährigen seine Ernennung nicht aufhalten. Auch eine Blockade Spaniens gegen die Personalie spielte keine Rolle, weil nur eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rat notwendig war.
Die Forderung der EU-Abgeordneten an Ratspräsident Herman Van Rompuy, Merschs Kandidatur doch noch scheitern zu lassen, blieb unerfüllt. Zwar seien mehr Frauen in Führungspositionen nötig, aber der EZB-Posten müsse "dringend" besetzt werden, hatte der Belgier erst kürzlich im Straßburger Plenum gesagt. Nun wurde Mersch für acht Jahre berufen, er nimmt seine Arbeit am 15. Dezember auf.
23 Spitzenposten bei der EZB – keine Frau dabei
Derzeit ist keiner der 23 Spitzenposten bei der EZB mit einer Frau besetzt. Im EU-Parlament wird Merschs Ernennung deshalb als Brüskierung gesehen. Das letzte weibliche Mitglied im EZB-Direktorium war von 2003 bis 2011 die Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell. Der nächste turnusmäßige Wechsel steht erst 2018 an.
Der Präsident des Europaparlaments, der Deutsche Martin Schulz, kritisierte die Entscheidung des EU-Gipfels. "Bei der zukünftigen Vergabe von Schlüsselposition erwarten wir, dass Sie das Gleichgewicht der Geschlechter respektieren", sagte Schulz in einer Rede vor den Staats- und Regierungschefs.
Für strenge Geldpolitik und Kampf gegen Inflation
Als Mitglied des EZB-Direktoriums dürfte sich Mersch für eine strenge Geldpolitik und den Kampf gegen die Inflation einsetzen. Diesen Kurs, der einigen südlichen EU-Staaten ein Dorn im Auge ist, verteidigte er bei seiner Anhörung im Europaparlament am 22. Oktober nachdrücklich. Stabile Preise seien der "beste Beitrag zu nachhaltigem Wachstum".
Der 1949 geborene Jurist ist seit 1998 Direktor der Luxemburger Zentralbank. In dieser Funktion ist er bereits Mitglied des Gouverneursrats der EZB, dem die Notenbankchefs der 17 Euro-Länder angehören. Der Vater zweier erwachsener Kinder kann eine beeindruckende internationale Karriere vorweisen: Unter anderem war er bei der Weltbank tätig, bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, bei der Europäischen Investitionsbank und beim Internationalen Währungsfonds in Washington.
Diskrete Anzüge, weiße Hemden, poppige Krawatten
Mit seinen diskreten, maßgeschneiderten Anzügen und den weißen Hemden entspricht Mersch perfekt dem Bild des seriösen Bankers. Doch die Wahl seiner Krawatten zeugt manchmal auch von einer guten Portion Schalk. Zur Anhörung im EU-Parlament, wo er sich vor allem von linken Abgeordneten harsche Kritik gefallen lassen musste, erschien der Luxemburger mit einem knallroten Binder, auf dem sich eine Herde weißer Comic-Lämmchen tummelte - und ein schwarzes Schaf.
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