Libor-Affäre

US-Hausbesitzer verklagen zwölf der weltgrößten Banken

Wirtschaft
15.10.2012 18:39
US-Hausbesitzer ziehen gegen Banken vor Gericht: Im Skandal um Manipulationen des Interbankenzinses Libor wurde einem Zeitungsbericht vom Montag zufolge erstmals eine Sammelklage gegen zwölf der weltgrößten Banken eingereicht. Die Kläger argumentieren, durch die Unregelmäßigkeiten bei der Festlegung des Zinses seien ihre Immobilienkredite verteuert worden.

Händler bei Barclays, Bank of America und UBS in Europa und Nordamerika hätten den Libor künstlich in die Höhe getrieben - insbesondere an Tagen, an denen die Hypothekenzinsen neu festgelegt worden seien. Die Kläger hätten so von 2000 bis 2009 Tausende Dollar verloren, schrieb die "Financial Times".

Rechtsanwalt John Sharbrough sagte der Zeitung, bis zu 100.000 Immobilienbesitzer könnten gegen die Banken klagen. Zur Höhe des geltend gemachten Schadens äußerte er sich nicht.

Libor-Satz in die Höhe getrieben
Der sogenannte Libor (London Interbank Offered Rate) wird täglich aus den Meldungen einzelner Banken ermittelt und stellt den durchschnittlichen Zinssatz dar, zu dem sich die Institute untereinander Geld leihen. Der Libor-Satz dient als Referenz für Geldgeschäfte in Billionenhöhe.

Die Hausbesitzer hatten für ihre Hypotheken variable Zinssätze gewählt, die sich am Libor orientierten. Stichtag für die Festsetzung war dabei der erste Tag des Monats, heißt es in der Klage. An diesem Stichtag habe der Libor-Satz im Schnitt höher gelegen als sonst, führen die Kläger aus. Die Banken haben ihrer Ansicht nach vom Jahr 2000 bis Anfang 2009 gemauschelt.

Großbanken weltweit unter Manipulationsverdacht
Weltweit stehen mehr als ein Dutzend Großbanken unter dem Verdacht, den Libor in den vergangenen Jahren manipuliert zu haben, darunter die Bank of America, die Citigroup, JPMorgan Chase, die britsche Barclays sowie die Schweizer UBS und die Deutsche Bank. Letztere gab bereits am Montag bekannt, dass man sich energisch gegen die Vorwürfe zur Wehr setzen werde.

Bisher hat lediglich Barclays ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt. Das Top-Management musste daraufhin gehen, zudem wurde der Bank eine Strafe von fast einer halben Milliarde Dollar aufgebrummt. Mit den falschen Angaben haben Händler Gewinne eingestrichen und die wahren Refinanzierungskosten verschleiert.

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