Eine junge Polizistin musste qualvolle Ängste durchleiden. Bei einem Einsatz griff ihr ein 35-jähriger Wiener mit blutverschmierten Händen in den Mund. Der Mann erfuhr kurz zuvor, dass er HIV-positiv ist und dröhnte sich aus Wut darüber mit Drogen zu. Ob er die Frau bei der brutalen Attacke infiziert hat, ist noch ungewiss.
„Als ich den HIV-Befund bekommen habe, hab ich mein Leben nicht mehr gepackt. Ich hab mich mit Benzos zugedröhnt und war die ganze Nacht unterwegs“, erzählt der 35-Jährige zu Beginn der Verhandlung. Am 27. Jänner eskalierte die Situation, als Polizisten seine Identität feststellen wollten.
Gewaltausbruch auch mit Stethoskop
Ein schrecklicher Einsatz im Stiegenhaus eines Wohnhauses, den zahlreiche Beamte am Montag im Gericht als Zeugen Revue passieren lassen. Bei der Amtshandlung entriss der zugedröhnte Mann einem herbeigerufenen Sanitäter sein Stethoskop. Damit ging der Angeklagte auf eine Polizistin los. Einer weiteren Beamtin schlug er rund zehnmal ins Gesicht. Schließlich fuhr ihr der HIV-Positive, der auch Hepatitis hat, mit seinen blutverschmierten Fingern in die Mundhöhle und schrie dabei: „Ich habe alles, ihr A..........“ – laut Strafgesetzbuch eine vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.
„Ich schäme mich dafür“
„Es tut mir leid, dass ich ihr in den Mund gegriffen habe. Vor allem, weil ich ja weiß, was ich durchgemacht habe und wie ich mich gefühlt habe, bevor ich meinen Befund bekam. Das ist der Ur-Horror“, beteuert er und ergänzt: „Ich schäme mich dafür.“ Richter Wolfgang Etl fragt nach, warum er die Polizisten – zusätzlich zum Gewaltexzess – derart wüst beschimpfte: „Ich kann mir das nicht erklären. Die Polizei hat mir oft geholfen. Zum Beispiel hat sie meine Mutter mehrfach vorm Zusammenschlagen durch meinen Vater gerettet.“
Die von der Blut-Attacke betroffene Polizistin beschreibt die bange Zeit, die sie durchleben muss. Aufgrund der langen Inkubationszeit steht der nächste Test im Juli an. Erst dann weiß sie, ob sie infiziert wurde. Und selbst dann nicht mit Gewissheit.
Gutachter attestiert Persönlichkeitsstörung
Die dramatische, gewaltvolle Beziehung seiner Eltern soll der Grund dafür sein, warum der Angeklagte auf die schiefe Bahn geraten ist: Insgesamt 13 Vorstrafen zählt der drogensüchtige Mann bereits. Es gehe aber nicht vorrangig um die Drogensucht, „sondern vielmehr um die kombinierte Persönlichkeitsstörung des Mannes“, erläutert Gerichtspsychiater Peter Hofmann den Schöffen sein Gutachten und spricht sich für eine Anstalts-Unterbringung aus. Zusätzlich zur Verurteilung zu zwei Jahren unbedingter Haft wegen Begehung einer Straftat im Zustand der vollen Berauschung wurde die Einweisung angeordnet.
Die psychisch stark belastete junge Polizistin, die eine HIV-Prophylaxe durchläuft, bekam 3.480 Euro Schmerzensgeld zugesprochen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.