So, 16. Dezember 2018

10 Jahre Haft drohen

03.10.2012 11:50

Kursmanipulation: Ex-Telekom-Bosse werden angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Wien hat am Mittwoch gegen die früheren Telekom-Vorstände Stefano Colombo, Rudolf Fischer und Heinz Sundt (im Bild von links nach rechts) Anklage wegen des Verdachts der Untreue erhoben. Es geht um angebliche Aktienkursmanipulationen im Jahr 2004, die zu Provisionszahlungen an 100 Telekom-Manager in Höhe von insgesamt neun Millionen Euro geführt haben sollen. Den Beschuldigten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Angeklagt wird auch der Aktienbroker Johann Wanovits. Dieser behauptet allerdings, er habe die Aktie angehoben, weil sie davor "von jemandem" nach unten manipuliert wurde.

Laut Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Wanovits im Februar 2004 im Auftrag von Sundt, Fischer und Colombo Aktien der Telekom Austria AG lediglich zu dem Zweck gekauft haben, um durch eine zeitlich abgestimmmte Order einen Anstieg des Aktienkurses herbeizuführen. Mit dem Kauf von 900.000 Aktien soll der Telekom-Kurs zwischen 20. und 26. Februar über die entscheidende Schwelle von 11,70 Euro gehievt worden sein, wodurch ein sogenanntes "Stock-Option-Programm" fällig wurde, heißt es.

Es kam zur Ausschüttung einer Provision von insgesamt rund neun Millionen Euro an etwa 100 Führungskräfte des Unternehmens. Der ehemalige Telekom-Manager Gernot Schieszler, der als Kronzeuge gegenüber der Justiz auftritt, machte die Causa, die heuer auch im Korruptions-U-Ausschuss debattiert wurde, 2011 bekannt.

300.000 Euro für Angeklagte
Auch die angeklagten Vorstände sollen von der Provision stark profitiert haben, jeweils mit über 300.000 Euro. Wanovits soll als Gegenleistung mehr als 1,5 Millionen Euro erhalten haben, die zwischen 2004 und 2008 teilweise durch Bargeldzahlungen, teilweise über Scheingeschäfte transferiert worden sein sollen.

Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig. Die Beschuldigten haben die Möglichkeit, innerhalb von 14 Tagen Einspruch bei Gericht zu erheben.

Wanovits: Wollte Kurs auf "natürliches Niveau" heben
Als einziger der Beschuldigten kommentierte am Mittwoch Broker Wanovits die Anklage. Er könne bei sich kein schuldhaftes Verhalten erkennen, erklärte der Aktienfachmann. Es sei vielmehr so, dass jemand anderer den Kurs der Aktie nach unten manipuliert und er selbst durch den Ankauf von Aktien den Kurs nur "auf das natürliche Niveau gehoben" habe, rechtfertigt sich Wanovits über seinen Anwalt. "Mein Mandant ging von einem rechtswidrigen Angriff auf den TA-Kurs nach unten aus", heißt es in der Mitteilung von Rechtsanwalt Rainer Rienmüller.

"Er ist also davon ausgegangen, durch den Ankauf von Aktien Schaden sowohl von Mitarbeitern der Telekom Austria als auch der Telekom Austria selbst abzuwehren." Es habe nämlich "einen begründeten und dringenden Verdacht" gegeben, "dass jemand den Kurs der TA-Aktie im Zeitraum von 20. bis 26. Februar 2004 bewusst nach unten gedrückt hat. Offensichtlich sollten die TA-Mitarbeiter nicht in den Genuss des Optionsprogramms kommen."

Broker bezweifelt Schaden für Telekom
Wanovits stört sich auch an der Bezeichnung "Provision" für die insgesamt neun Millionen Euro, die rund 100 Telekom-Manager durch die Erreichung des - nach Darstellung der Staatsanwaltschaft durch die Aktivitäten von Wanovits herbeigeführten - Kursniveaus erhielten. Richtig sei vielmehr, dass die Mitarbeiter Aktienoptionen gehalten hätten, die ihnen die Telekom wie vorgesehen abgekauft habe. Es stelle sich sogar die Frage, "ob der Telekom Austria durch den Aktienkauf meines Mandanten überhaupt ein Schaden entstanden ist", so der Anwalt.

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