Nach Krebs-Studie
Rufe nach EU-Verbot für Gen-Mais werden lauter
Die genveränderte Maissorte NK 603 des Konzerns Monsanto kann in der Europäischen Union wie sonstiger Mais als Futtermittel oder in verarbeiteten Produkten verwendet werden. Seit 2005 ist die Sorte auch als Lebensmittel zugelassen. Sie darf zum Beispiel als Stärke und Öl sowie als Bestandteil anderer Lebensmittel verkauft werden.
Die Produkte müssen gekennzeichnet werden - als "gentechnisch veränderter Mais" oder "aus gentechnisch verändertem Mais hergestellt". NK 603 ist gegen Unkrautvernichtungsmittel mit dem Wirkstoff Glyphosat resistent, das sehr viele andere Pflanzen zerstört. Dieser Genmais darf in der EU jedoch nicht angebaut werden, Kreuzungen aus der Sorte (im Bild eine Kreuzung aus MON 89034 und NK 603 in Deutschland) aber sehr wohl.
Frankreich will totales Gen-Verbot
Frankreich will sich nun für ein totales Verbot von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in der Europäischen Union einsetzen, sollten sich die Studienergebnisse bestätigen. Das kündigte Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault am Donnerstag im ostfranzösischen Dijon an. "Ich habe ein rasches Verfahren von einigen Wochen verlangt, um die wissenschaftliche Stichhaltigkeit dieser Studie zu überprüfen", sagte Ayrault. Paris und Brüssel hatten am Mittwoch nach der Veröffentlichung der Studie ihre Gesundheitsbehörden eingeschaltet.
Die Umweltschutzorganisation Global 2000 sprach am Donnerstag von "erschreckenden Ergebnissen". Heidemarie Porstner, Gentechnikexpertin bei Global 2000, zeigte sich erschüttert: "Der untersuchte Gentech-Mais NK 603 von Monsanto ist in den USA als Nahrungsmittel zugelassen. Nach Europa wird er als Futtermittel für die Fleischproduktion importiert. NK 603 steht auf der Liste der gentechnisch veränderten Maissorten, die demnächst auch in Europa zum Anbau zugelassen werden könnten. Die Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) lautet, NK 603 sei genau so sicher wie konventioneller Mais. Man darf gespannt sein, wie die Bewertung der EFSA ausfällt, nachdem die Rattenstudie offiziell präsentiert worden ist."
Politik für nationales Anbauverbot in Österreich
"Wir werden die Studie selbstverständlich analysieren", betonte Fabian Fußeis, Sprecher von Gesundheitsminister Alois Stöger. Sie bestärke jedenfalls die kritische Haltung Stögers bezüglich der Zulassung gentechnisch veränderter Lebensmittel in Europa. "Man sollte die Studie auch in Brüssel ganz genau prüfen." Für Expertisen und detaillierte Schlüsse sei es, so Fußeis, derzeit noch zu früh. Nur so viel: "Wir haben bisher immer noch nationale Anbauverbote verhängt, und das werden wir auch diesmal tun, sollte dieses Produkt zugelassen werden."
Umweltminister Nikolaus Berlakovich betonte am Donnerstag: "Eines ist für mich klar: Angesichts dieser neuen Studie muss die EU-Kommission ihr Prüfverhalten überdenken und das Zulassungsverfahren muss eingehend überprüft werden." Österreich betreibe einen GVO-freien Anbau in der Landwirtschaft.
Berlakovich: "Wir wollen auch in Zukunft gentechnikfrei bleiben. Österreich hat alle von der EU erlaubten gentechnisch veränderten Pflanzen mit einem Verbot belegt. Für die österreichische Landwirtschaft steht die Erzeugung von qualitativ hochwertigen, gesunden Lebensmitteln an oberster Stelle. Wir wollen auch in Zukunft selbst darüber entscheiden und die Anbauverbote beibehalten."
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.