Bestimmte Personengruppen seien bei Bewerbungsverfahren häufiger von Vorurteilen und Diskriminierung betroffen. Daher sollen die Personalabteilungen in der ersten schriftlichen Phase der Bewerbung kein Foto und keine Namen bzw. Daten der Bewerber erhalten, woraus auf Geschlecht, Alter, Familienstand oder Migrationshintergrund geschlossen werden könnte. Nur anhand der Qualifikation soll entschieden werden, wer zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen wird, erläuterte Heinisch-Hosek. Internationale Erfahrungen zeigten, dass von anonymisierten Bewerbungen vor allem Frauen und Migranten profitieren und häufiger zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden.
Wirtschaftsuni wertet Ergbnisse aus
Das Projekt sei freiwillig und stehe auch anderen Unternehmen aus der Privatwirtschaft offen, betonte die Frauenministerin. Allerdings könne sie sich in einer weiteren Phase, nachdem die Ergebnisse der Evaluation vorliegen, auch Vereinbarungen der Sozialpartner und gesetzliche Schritte vorstellen. In Belgien etwa wurde das anonymisierte Verfahren am gesamten öffentlichen Sektor eingeführt. Ausgewertet werden die Ergebnisse durch Studenten der Wirtschaftsuniversität Wien. Untersucht wird, ob sich dadurch die Aufnahmepraxis verändert hat.
Rewe ortet "Riesenchance" für das Unternehmen
Der Konzernpersonaldirektor der Rewe International AG, Johannes Zimmerl, erläuterte die Vorgangsweise in seinem Unternehmen: Die schon derzeit zu 95 Prozent online erfolgenden Bewerbungen für die IT-Sparte würden anonymisiert und mit einem Code versehen. Bei Vorliegen der geforderten Qualifikation würden die Bewerber zum persönlichen Gespräch eingeladen. Zimmerl sieht darin eine "Riesenchance" für das Unternehmen, Leute zu einer Bewerbung zu ermutigen, die sich sonst vielleicht nicht getraut hätten. Ab Anfang November werde das Projekt umgesetzt. Wenn es gut funktioniere, wolle Rewe dieses Vorgehen auch in anderen Abteilungen der Handelsfirma einsetzen.
"Es soll alleine nach der Leistung beurteilt werden"
Der Unternehmer Ali Rahimi vom Verein "Wirtschaft für Integration" sieht in anonymisierten Bewerbungen eine Chance, Diskriminierungen zu verhindern. "Es soll nicht nach Herkunft, Alter oder Geschlecht diskriminiert werden, sondern alleine nach der Leistung beurteilt werden", forderte er. Laut einer OECD-Studie finden in Österreich 27 Prozent der Einwandererinnen und 30 Prozent der Einwanderer keinen Job, der ihrem Ausbildungsniveau entspricht. Hier gehe viel Potenzial verloren, sagte Rahimi.
Auch die Grünen machen sich für das neue Verfahren stark (siehe Infobox). So hatte bereits im Juli 2012 Frauensprecherin Judith Schwentner erklärt, dass "Hürden für Frauen, ältere Arbeitnehmer, Menschen mit Migrationshintergrund und Behinderung niedriger" würden.
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