Kleidung für Westen
Nach Großbrand in Fabrik: Mordanklage gegen Besitzer
Zum Zeitpunkt des Feuers am Dienstagabend waren nach neuen Erkenntnissen bis zu 600 Arbeiter in dem Gebäude. Den Behörden und Augenzeugen zufolge erstickten die meisten Opfer, weil es keine Notausgänge und keine Brandschutzvorkehrungen gab, die Fenster vergittert und die Treppen mit fertigen Waren zugestellt waren.
Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Billigbau, wie er für viele Produktionsstätten in Karachi üblich ist: Die Arbeiter waren laut Feuerwehr ohne ausreichende Belüftung in viel zu kleinen Sälen zusammengepfercht. Alle Ausgänge außer dem Haupteingang waren verriegelt.
Auch Regierungsvertreter im Visier der Ermittler
Die Regierung der Provinz Sindh beauftragte einen ehemaligen Richter mit der Untersuchung der Brandursache und den Gründen für den Tod so vieler Menschen. Sollte sich herausstellen, dass auch Regierungsvertreter eine Mitverantwortung tragen, droht ihnen nach Polizeiangaben ebenfalls ein Verfahren wegen Mordes. Mit ersten Ergebnissen der Untersuchung dürfte demnach in einer Woche zu rechnen sein.
Billigproduktion auf Kosten der Arbeiter
Die Katastrophe wirft ein Schlaglicht auf die Lage in Pakistans Textilindustrie, die mit rund elf Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) pro Jahr 55 Prozent der Exporte ausmacht. Um gegen die Konkurrenz auf dem Weltmarkt bestehen zu können, müssen die Fabriken möglichst billig produzieren - und das geht nur auf Kosten der Arbeiter, die zumeist zu Hungerlöhnen und ohne Verträge schuften müssen. Vor allem in der Industriemetropole Karachi gibt es viele Fabriken wie die nun abgebrannte - oder noch schlimmer: ehemalige Wohnungen, in denen unter katastrophalen Bedingungen produziert wird.
Zwar verfügt Pakistan nach Auskunft von Gewerkschaften und Experten über ausreichende Gesetze zum Schutz der Arbeiterschaft und ihrer Rechte. Doch hält sich kaum jemand an sie: "Niemand setzt sie durch - die Besitzer zahlen einfach Schmiergeld und können dann beruhigt die Gesetze brechen", kritisierte Ghulam Ali, der Vize-Vorsitzende des pakistanischen Verbands der Industrie- und Handelskammern.
Kritik an ausländischen Käufern
Laut dem renommierten Ökonomen Kaiser Bengali stehen Industrie und Behörden vor einem Dilemma: Höhere Sicherheitsstandards bedeuten gleichzeitig höhere Produktionskosten - und "dann flauen die devisenbringenden Exporte ab". Nach seinen Worten sind auch die Importeure verantwortlich für die Situation: "Die Aufkäufer der ausländischen Unternehmen sehen die Fabriken", ihnen dürften die Produktionsbedingungen nicht entgehen.
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