Kleidung für Westen

Nach Großbrand in Fabrik: Mordanklage gegen Besitzer

Ausland
13.09.2012 19:26
Nach dem verheerenden Brand in einer pakistanischen Textilfabrik hat die Polizei die drei Besitzer und ihr Management des Mordes beschuldigt. Ihnen werde vorgeworfen, sich nicht um die Sicherheit der Arbeiter gekümmert zu haben, sagten Polizeivertreter am Donnerstag in Karachi. Bei dem Brand in der Fabrik, die Kleidung für den Export nach Europa und Nordamerika produzierte, waren 289 Menschen umgekommen.

Zum Zeitpunkt des Feuers am Dienstagabend waren nach neuen Erkenntnissen bis zu 600 Arbeiter in dem Gebäude. Den Behörden und Augenzeugen zufolge erstickten die meisten Opfer, weil es keine Notausgänge und keine Brandschutzvorkehrungen gab, die Fenster vergittert und die Treppen mit fertigen Waren zugestellt waren.

Bei dem Gebäude handelt es sich um einen Billigbau, wie er für viele Produktionsstätten in Karachi üblich ist: Die Arbeiter waren laut Feuerwehr ohne ausreichende Belüftung in viel zu kleinen Sälen zusammengepfercht. Alle Ausgänge außer dem Haupteingang waren verriegelt.

Auch Regierungsvertreter im Visier der Ermittler
Die Regierung der Provinz Sindh beauftragte einen ehemaligen Richter mit der Untersuchung der Brandursache und den Gründen für den Tod so vieler Menschen. Sollte sich herausstellen, dass auch Regierungsvertreter eine Mitverantwortung tragen, droht ihnen nach Polizeiangaben ebenfalls ein Verfahren wegen Mordes. Mit ersten Ergebnissen der Untersuchung dürfte demnach in einer Woche zu rechnen sein.

Billigproduktion auf Kosten der Arbeiter
Die Katastrophe wirft ein Schlaglicht auf die Lage in Pakistans Textilindustrie, die mit rund elf Milliarden Dollar (8,5 Milliarden Euro) pro Jahr 55 Prozent der Exporte ausmacht. Um gegen die Konkurrenz auf dem Weltmarkt bestehen zu können, müssen die Fabriken möglichst billig produzieren - und das geht nur auf Kosten der Arbeiter, die zumeist zu Hungerlöhnen und ohne Verträge schuften müssen. Vor allem in der Industriemetropole Karachi gibt es viele Fabriken wie die nun abgebrannte - oder noch schlimmer: ehemalige Wohnungen, in denen unter katastrophalen Bedingungen produziert wird.

Zwar verfügt Pakistan nach Auskunft von Gewerkschaften und Experten über ausreichende Gesetze zum Schutz der Arbeiterschaft und ihrer Rechte. Doch hält sich kaum jemand an sie: "Niemand setzt sie durch - die Besitzer zahlen einfach Schmiergeld und können dann beruhigt die Gesetze brechen", kritisierte Ghulam Ali, der Vize-Vorsitzende des pakistanischen Verbands der Industrie- und Handelskammern.

Kritik an ausländischen Käufern
Laut dem renommierten Ökonomen Kaiser Bengali stehen Industrie und Behörden vor einem Dilemma: Höhere Sicherheitsstandards bedeuten gleichzeitig höhere Produktionskosten - und "dann flauen die devisenbringenden Exporte ab". Nach seinen Worten sind auch die Importeure verantwortlich für die Situation: "Die Aufkäufer der ausländischen Unternehmen sehen die Fabriken", ihnen dürften die Produktionsbedingungen nicht entgehen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
13.09.2012 19:26
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung