Wie kann ein Mensch sechs Tage in einer Gletscherspalte überleben? Eine Frage, die die ganze Welt interessiert. Neben der rationierten Schokolade stand Gletscherwasser auf dem kargen Speiseplan: "Ich habe das von einem Eiszapfen herabtropfende Wasser aufgefangen", erzählte Walter den behandelnden Ärzten.
Und er erklärte, wie er versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Er habe sich ausgerechnet, wie lange Wanderer vom Westfalenhaus bis zu seinem Standort brauchen und immer nur dann um Hilfe geschrien, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch war, dass er gehört würde. So sparte der Deutsche Energie.
"Habe immer an Söhne und Enkel gedacht"
An Schlaf war nicht zu denken. "Er saß auf seinem Rucksack und döste dahin", so sein Arzt Volker Wenzel. Jeder staunt über die psychische Stärke des Mannes. "Ich habe immer an meine beiden Söhne und meine Enkel gedacht. Das gab mir Kraft."
Nicht genug, dass er hilflos gefangen war - über dem 70-Jährigen hing noch ein Damoklesschwert in Form eines Eisblocks. Der Mann wusste: "Wenn sich der löst, dann war's das." Warum er alleine unterwegs war, erklärt der Deutsche so: "In meinem Alter findet man keine Bergkameraden mehr, die so ein Tour machen."
Gletscher will Walter keinen mehr betreten. Doch er will schon heuer wieder in die Berge. In den nächsten Tagen wird der Mann aus der Klinik entlassen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.