Silverstein nennt es die "Werbebroschüre" von Israels Premier Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Ehud Barak für einen Iran-Krieg. Durch einen "koordinierten Schlag, einschließlich einem noch nie dagewesen Cyber-Angriff", solle das iranische Regime "vollständig gelähmt" und der Fähigkeit beraubt werden, "zu wissen, was innerhalb der Landesgrenzen geschieht".
Das israelische Dokument, das eine Zusammenfassung der Kriegspläne gegen den Iran beinhaltet, wurde Silverstein laut eigenen Angaben von einer hochrangigen Quelle in Israel zugespielt, die es wiederum von einem ranghohen Militär erhalten habe, wie er in seinem Blog "Tikun Olam" schreibt. Diese Art von Dokument wäre ihm normalerweise nicht zugespielt worden, doch "dies sind keine normalen Zeiten. Ich fürchte, Bibi (Netanyahu) und Barak meinen es todernst".
"Niemand will diesen Krieg"
Man habe ihm das Dokument zukommen lassen, um die "Argumente und Pläne des doppelköpfigen Bibi-Barak-Kriegers" bekanntzumachen, so Silverstein. "Weder die Quelle in der Armee noch meine Quelle, praktisch niemand in einer wichtigen Position im Militär oder in den Geheimdiensten will diesen Krieg."
Netanyahu versuche die Militärführung davon zu überzeugen, dass Israel einen reinen Technologie-Krieg führen könne, in den relativ wenige Menschen involviert seien und dabei zu Schaden kommen könnten. Die Armee müsste nur mit wenigen Toten rechnen.
Israel rechnet mit 500 Toten auf der eigene Seite
Allerdings lasse Netanyahus "Taschenspielertrick" außer Acht, wie ein wie auch immer gearteter iranischer Gegenangriff aussehen könnte. "Bibi" gehe davon aus, dass die mit allem Schnickschnack ausgestatteten neuen israelischen Wunderwaffensysteme die Fähigkeit des Iran zur Kriegsführung lahmlegen würden. "Die Möglichkeit, dass das wirklich passiert, ist aber fast null", warnt Silverstein.
Israels Heimatschutzminister Matan Vilnai hatte erst am Mittwoch Vorkehrungen für einen präventiven Militäreinsatz gegen den Iran eingeräumt. Dabei rechne man mit etwa 500 toten Israelis, hieß es (siehe Infobox).
Beispiellose Cyber-Attacke soll Iran komplett lahmlegen
Laut dem Geheimpapier könnten die von israelischen Geheimdiensten jahrelang gesammelten Informationen dafür verwendet werden, die für das iranische Atomprogramm relevanten Experten und Kommandanten "komplett" auszuschalten. Der Angriff auf den Iran soll demnach mit einer beispiellosen Cyber-Attacke starten, die das Internet, Telefonverbindungen, Kommunikationssatelliten und Glasfaserkabel lahmlegen würde, die von und zu sensiblen Einrichtungen führten, etwa zu den unterirdischen Raketenbasen in Khorramabad und Isfahan.
Dazu soll das gesamt Stromnetz des Iran lahmgelegt werden. Umspannwerke sollen durch Karbonfasern schwer beschädigt werden. Diese Fasern sind dünner als ein menschliches Haar und verursachen Kurzschlüsse. Um die Umspannwerke zu reparieren, müssen die betroffenen Teile komplett ausgetauscht werden. Diese Arbeit soll durch einige Tage später abgeworfene Clusterbomben erschwert werden, ebenso durch später per Satellit ferngezündete Sprengsätze.
Raketenangriffe auf Atomanlagen
Weiters sollen Raketen auf die Atomanlagen abgefeuert werden. Einige sollen oberirdisch zur Explosion gebracht werden, etwa am Reaktor in Arak, der mutmaßlich zur Plutoniumerzeugung dient. Weitere Ziele sind demnach die Konversionsanlagen in Isfahan, wo Uranoxid in gasförmiges Uranhexafluorid umgewandelt wird. Andere Raketen sollen unterirdisch explodieren, wie in der in einen Berg gebauten Anreicherungsanlage in Fordo. Nach der ersten Angriffswelle würden israelische Radarsatelliten Kriegsflugzeuge verdeckt zu Zielen im Iran leiten.
Diese Flugzeuge sollen mit bisher der breiten Öffentlichkeit nicht bekannten elektronischen Waffensystemen ausgestattet sein. Selbst die verbündeten USA seien darüber nicht ins Bild gesetzt worden. Diese Ausrüstung würde die israelischen Flugzeuge "unsichtbar" machen, schreibt Silverstein. Sie würden die Silos angreifen, in denen die Langstreckenraketen vom Typ Shahab 3 und Sejil lagern, ebenso Einrichtungen zur Lagerung der Raketenbestandteile und Treibstoffe.
Silverstein weist aber darauf hin, dass der Iran in 31 Bezirke aufgeteilt sei, von denen jeder unter einem eigenen Kommando stehe und eigene Kontrolleinrichtungen besitze. "Israel wird daher nicht in der Lage sein, eine einzige Anlage außer Gefecht zu setzen und die Revolutionsgarden zu lähmen. Sie müssen 31 verschiedene Anlagensysteme ausschalten, was eine weitaus schwierige Aufgabe ist."
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