Neuer Trojaner 'Madi'

Iran und Israel seit Monaten unter Cyber-Beschuss

Web
18.07.2012 08:47
Der Iran, Israel und weitere Staaten im Nahen Osten sind Sicherheitsexperten zufolge seit mindestens acht Monaten einem Cyberangriff ausgesetzt. Wie das israelische Unternehmen Seculert und die russische Firma Kaspersky Lab mitteilten, handelt es sich um den ersten derartigen Angriff, bei dem die verwendeten Computerprogramme persische Formulierungen enthalten. "Aber wir wissen nicht, woher diese Leute stammen", sagte Seculert-Technologiechef Aviv Raff. Die genauen Ziele des "Madi" genannten Trojaners nannten die Unternehmen nicht.

In einer gemeinsamen Aktion konnten die beiden Unternehmen eigenen Angaben zufolge die sogenannten Command-and-Control-Server zur Steuerung von Madi untergraben und so Erkenntnisse zur jüngsten Cyberspionage-Kampagne gewinnen. Die Sicherheitsexperten identifizierten dabei mehr als 800 Opfer, die sich in den letzten acht Monaten im Iran, in Israel und ausgewählten Ländern auf der ganzen Welt mit den Servern von Madi verbunden haben.

Die Opfer scheinen vor allem Geschäftsleute, die im Iran und in Israel an kritischen Infrastruktur-Projekten arbeiteten sowie israelische Finanzinstitutionen, Ingenieur-Studenten und verschiedene Regierungsabteilungen aus dem Nahen Osten gewesen zu sein. Die meisten betroffenen Rechner stünden im Iran.

Haufenweise Daten hochgeladen
Mithilfe des Madi-Trojaners können Angreifer aus der Ferne sensible Dateien von infizierten Windows-Systemen stehlen, sensible Kommunikationskanäle wie E-Mail und Instant-Messaging einsehen, Audiodaten mitschneiden, Tastaturanschläge registrierten sowie Screenshots des Systems erstellen. Eine weitere Analyse hat ergeben, dass mehrere Gigabyte an Daten von infizierten Rechnern hochgeladen wurden. "Jemand versucht im großen Umfang ein Dossier zu erstellen", sagte Raff. "Wir wissen nicht, was sie am Ende vorhaben."

Ablenkungsmanöver
Wie Kaspersky in einem Blogeintrag erklärt, ergab die Untersuchung des Schadprogramms darüber hinaus einen ungewöhnlich hohen Anteil an religiösen und politischen "Ablenkungs"-Dokumenten und -Bildern, die während der Infektion genutzt wurden. Dieser amateurhafte und rudimentäre Ansatz könnte dem Schädling geholfen haben, einer Entdeckung zu entgehen.

"Auch wenn die Malware selbst und deren Infrastruktur im Vergleich zu ähnlichen Projekten sehr einfach erscheint, konnten die Madi-Angreifer damit eine nachhaltige Überwachung profilierter Opfer durchführen", so Nicolas Brulez, Senior Malware Researcher bei Kaspersky Lab.

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