Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Sullivan, dass die Technologie Facebooks Unterhaltungen per Chat automatisiert überwache und auswerte.
Als Vergleich diene zum Beispiel ein Archiv von Chat-Gesprächen, die in der Vergangenheit sexuellen Übergriffen vorangingen. Auch das Alter der Beteiligten und der Aufenthaltsort werden analysiert, zudem überwacht Facebook eigenen Angaben nach nur Gespräche von Personen, die erst seit Kurzem virtuell befreundet sind, keine gemeinsamen Freunde besitzen und die nichts verbindet.
Entdeckt das Programm verdächtige Äußerungen, wird ein Facebook-Mitarbeiter darauf aufmerksam gemacht, der entscheidet, ob die Polizei eingeschaltet wird.
13-Jährige vor Übergriff bewahrt
Am 9. März konnte Facebook so zum Beispiel verhindern, dass sich ein etwa 30-jähriger Mann in Florida an einem 13-jährigen Mädchen verging. Facebook informierte, durch die Software alarmiert, die Polizei, die das Mädchen aufsuchte und ihren PC beschlagnahmte. Die gefundenen Informationen reichten aus, um den Mann am nächsten Tag festzunehmen, so die Polizei. Wie viele erfolgreiche Einsätze darüber hinaus auf die Software zurückgehen, ist nicht bekannt.
Facebook will Nutzer milde stimmen
Dass die User trotz des hehren Ziels, Pädophile auszuschalten, von der Überwachung durch Facebook nicht begeistert sein dürften, ist dem Konzern bewusst. Sullivan versuchte im Interview daher zu beruhigen: Man habe nie gewollt, dass Mitarbeiter die privaten Mitteilungen der User durchforsten. Daher habe man ein System entwickelt, das automatisiert arbeite und wenige falsche Anschuldigungen produziere.
System mit zahlreichen Lücken
Diese sehr strenge Auslegung führt allerdings auch dazu, dass zahlreiche Pädophile auf Facebook unerkannt bleiben. "Ich habe das Gefühl, dass für jeden, den wir verhaften, zehn andere durchs System schlüpfen", beschreibt ein Polizist aus Florida. Schuld ist allerdings nicht nur die Technik, sondern auch, dass viele Kinder und Teenager bei der Altersangabe schummeln und die Software sie so nicht als potenzielle Pädophilen-Ziele identifizieren kann.
Während sich die Behörden trotz Schlupflöchern begeistert von der Technologie zeigen, stellt sich für Nutzer die Frage, welche Informationen sie auf Facebook preisgeben wollen - und zwar nicht nur auf der Pinnwand, wo sie von mehreren Menschen einsehbar sind, sondern auch in scheinbar privaten Nachrichten. Und wie viel ihrer Privatsphäre sie zum Schutz anderer aufzugeben bereit sind.
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