16.07.2012 15:39 |

Heftige Kämpfe

Syriens Hauptstadt Damaskus wird zum Schlachtfeld

Die syrische Hauptstadt Damaskus ist am Montag den zweiten Tag in Folge von schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen erschüttert worden. Aktivisten berichteten von dem Beschuss von Stadtteilen und vorrückenden Panzern der Armee, Bewohner sprachen von einem "Schlachtfeld".

Die Armee habe das Viertel Tadamon in Damaskus unter Beschuss genommen, erklärten die oppositionellen Koordinationskomitees. In den Vierteln Kafar Souseh und Jobar habe es schwere Gefechte zwischen den Regierungstruppen und der von Deserteuren gegründeten Freien Syrischen Armee gegeben. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass erstmals Panzer im historischen Stadtviertel Midan Stellung bezogen hätten.

Damaskus war am Sonntag nach Angaben von Aktivisten von den schwersten Kämpfen seit Beginn der Rebellion im März 2011 erschüttert worden. Bewohner berichteten am Montag, die Stadt sei am Sonntagabend ein "regelrechtes Schlachtfeld" gewesen. Am Montag wurden auch aus anderen Landesteilen neue Gefechte gemeldet, so aus den Städten Qatana und Homs sowie den Regionen von Aleppo, Hama und Deir Ezzor.

"Damaskus werdet ihr nie bekommen"
Die regierungsnahe syrische Zeitung "Al-Watan" titelte am Montag im Hinblick auf die Opposition: "Damaskus werdet ihr nie bekommen." Sicherheitskräfte seien mit Unterstützung der Armee seit 48 Stunden im Einsatz, um die "terroristischen Banden" zu bekämpfen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf sprach am Montag von einer "Bürgerkriegssituation" in Syrien. Die Definition eines "nicht internationalen bewaffneten Konflikts" sei eine diplomatische Beschreibung für einen Bürgerkrieg, sagte ein Sprecher.

Russland wirft Westen Erpressung vor
Im Ringen um ein geschlossenes Auftreten im Syrien-Konflikt reiste der Sonderbeauftragte Kofi Annan am Montag nach Moskau. Kurz zuvor warf der russische Außenminister Sergej Lawrow dem Westen "Erpressung" im Bemühen um eine UNO-Resolution vor. Der Westen habe damit gedroht, eine Verlängerung des Mandats für die UNO-Beobachtermission in Syrien zu verweigern, sollte Russland eine Resolution mit der Androhung von Sanktionen nicht unterstützen. Dies sei "kontraproduktiv und gefährlich", warnte Lawrow.

Zugleich wies Lawrow Hoffnungen als unrealistisch zurück, Russland könne den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad von einem Rücktritt überzeugen. "Es ist einfach unrealistisch, er wird nicht zurücktreten", sagte der russische Außenminister. "Wir unterstützen Bashar al-Assad nicht", so Lawrow. Vielmehr unterstütze Russland den Friedensplan von Kofi Annan und die Beschlüsse der Genfer Konferenz vom 30. Juni für eine Übergangsregierung in Syrien mit Vertretern aller Konfliktparteien.

Russland und China, die als Verbündete Syriens gelten, haben mit ihrem Veto im UNO-Sicherheitsrat bereits mehrere Resolutionen verhindert. UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon wird am Dienstag zu Gesprächen in Peking erwartet. China sieht die Bemühungen zur Lösung des Konflikts in Syrien an einem kritischen Punkt. Vor dem Besuch Bans verurteilte der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Liu Weimin, am Montag vor der Presse das jüngste Massaker. Die Vorfälle sollten untersucht und die Verantwortlichen bestraft werden.

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