Als Kostenfaktoren verweist Boltz auf das Ökostrom-Förderregime in Österreich mit etwa 350 bis 400 Millionen Euro im Jahr, ferner den Netzausbau und die Reservekraftwerke - "das wird für alle eine teure Sache", meinte der Vorstandsdirektor des Energie-Regulators gegenüber dem "Wirtschaftsblatt". Allein der deutsche Atomausstieg verursache für Österreich Mehrkosten von rund 150 bis 200 Millionen Euro, "wenn die Deutschen ihre Energiewende-Maßnahmen so weiterziehen".
"Wird natürlich auf Kunden umgewälzt"
Die "beträchtlichen Extrakosten" für den massiven Netzausbau aufgrund der erneuerbaren Energien würden natürlich auf die Kunden umgewälzt, "die Netze zahlen immer die Stromkunden", so Boltz.
Zur geplanten Bekämpfung von Betrug im Stromhandel in der EU verweist er auf die EU-"Remit"-Verordnung "über die Integrität und Transparenz des Energiegroßhandelsmarktes". In Österreich solle die Umsetzung noch vor dem Sommer durchs Parlament, vorgesehen seien als effektive Sanktionen voraussichtlich Geldstrafen. Wer dagegen verstoße, werde potenziell aber auch strafrechtlich verfolgt wie im Handels- und Finanzbereich - und bei wiederholten, großen Verstößen seien Haftstrafen nicht ausgeschlossen.
Schluss mit lukrativem Insiderhandel
Als Beispiel für früher mögliche Praktiken im Energiehandel führt Boltz an: "Beim Insiderhandel konnte man binnen Stunden 500.000 Euro verdienen, und das war in Deutschland ohne Remit nicht illegal. Wenn Sie wussten, dass Sie morgen ein großes Kraftwerk abschalten, kauften Sie die Megawattstunde zum Beispiel um 20 Euro ein. Am nächsten Tag stieg der Preis wie das Amen im Gebet auf 60, und sie verkauften wieder."
Künftig wird es ein EU-weit einheitliches Reporting-System zur Energieregulierungsagentur Acer geben. "Alle Geschäfte müssen vorab dort angemeldet werden. Damit werden Marktmanipulation und Insiderhandel unmöglich", so Boltz.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.