Reichster Mensch

Milliardär Carlos Slim wird Telekom-Großaktionär

Wirtschaft
15.06.2012 11:33
Bei der börsenotierten Telekom Austria AG wird der mexikanische Milliardär Carlos Slim (Bild) nun Großaktionär. Die von Slim kontrollierte America Movil SAB hat am Freitag fünf Prozent der Telekom-Aktien von Ronny Pecik gekauft und den Erwerb von 16 Prozent im Laufe dieses Jahres nach Zustimmung der Behörden vereinbart, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Investor Pecik steigt mit dem Verkauf seiner Anteile komplett aus der Telekom aus.

Wie America Movil auf seiner Homepage mitteilte, hält das mexikanische Unternehmen mit dem Zukauf von Freitag 6,7 Prozent an der teilstaatlichen Telekom Austria. Nach Abschluss der Transaktion werde der Konzern etwa 23 Prozent der Telekom-Aktien besitzen. 

Insgesamt wird Slim durch den Deal mit dem österreichischen Investor seine Beteiligung an der Telekom Austria allerdings auf 25,9 Prozent erhöhen und damit möglicherweise die Sperrminorität an dem teilstaatlichen österreichischen Unternehmen erlangen. Slims hält nämlich nicht nur über seine America Movil direkt und indirekt 6,7 Prozent der TA-Anteile, sondern der Familie Slim gehören über die mexikanische Gesellschaft Immobiliaria Carso auch weitere 3,14 Prozent der TA-Aktien, erklärte die Telekom.

"Langfristiger strategischer Partner"
Die mexikanische Telekom-Gesellschaft betonte am Freitag, dass sie durch den mit Pecik vereinbarten Erwerb der Telekom-Anteile ein "langfristiger strategischer Partner" der Telekom Austria werde. Der Kauf sei Teil der geografischen Diversifikationsstrategie des Konzerns und schaffe eine attraktive Präsenz in Mittel- und Osteuropa. America Movil erwarte, eine "konstruktive Beziehung" zu den anderen Telekom-Aktionären zu entwickeln. Man sei zuversichtlich über die Zukunft der Gesellschaft.

ÖIAG heißt Großaktionär Slim willkommen
Der größte Telekom-Austria-Aktionär - die Staatsholding ÖIAG, die 28,4 Prozent der Anteile hält - hat den Einstieg des mexikanischen Milliardärs in die Telekom Austria betont freundlich begrüßt. "Dieser Investor ist ein finanziell und strategisch hervorragend aufgestelltes Unternehmen mit langfristigen strategischen Interessen speziell auch in Mittel- und Osteuropa", erklärte ÖIAG-Vorstand Markus Beyrer.

America Movil hat sich gegenüber der ÖIAG zum "Standort Österreich" bekannt, der große Telekom-Aktionär will das Headquarter - inklusive des Osteuropa-Sitzes - in Wien behalten, ebenso wie die Notierung der Telekom-Aktie an der Wiener Börse, war aus der ÖIAG zu hören. Man habe den Einstieg des Mexikaners aber weder angebahnt noch aktiv vorangetrieben.

Betriebsrat hatte noch keinen Kontakt zu Slim
Der Betriebsrat der Telekom Austria hatte indes nach eigenen Angaben bisher keinen Kontakt zum neuen Großaktionär America Movil. Sollte das mexikanische Mobilfunkunternehmen bei dem ehemaligen Staatskonzern einen weiteren Personalabbau planen, werde die Belegschaft das nicht akzeptieren, sagte Betriebsratschef Walter Hotz.

"Aus unserer Sicht ist ein stabiler Partner willkommen, wenn Jobs im Unternehmen geschaffen werden. Ich erwarte mir, dass sie Jobs schaffen", sagte Hotz. Wichtig für die Belegschaft sei zudem, dass die Republik Österreich ihren Anteil von 28,4 Prozent behalte.

Reichster Mann der Welt
America Movil ist nach eigenen Angaben der führende Mobilfunk-Anbieter in Lateinamerika mit 246 Millionen Handy-Kunden per Ende März 2012. Carlos Slim Helu, der Manger des Unternehmens, ist laut dem jüngsten "Forbes"-Ranking der reichste Mann der Welt. Er verfügt über ein Vermögen von umgerechnet 55,5 Milliarden Euro - siehe auch Story in der Infobox. Für das Telekom-Austria-Aktienpaket soll Slim nach inoffiziellen Angaben rund 883 Millionen Euro aufgebracht haben.

Für die Mexikaner ist der jüngste Schritt des Unternehmens die zweite große Anteilsaufstockung in Europa innerhalb kürzester Zeit. Jüngst hatte America Movil den Aktionären der niederländischen KPN ein Angebot zur teilweisen Übernahme unterbreitet.

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