Bis an sein Lebensende

Millionenschwerer Ehrensold versüßt Wulff den Abgang

Ausland
17.02.2012 17:47
Unglaubliche 199.000 Euro pro Jahr plus eigenes Büro mit Sekretärin, Dienstlimousine und Chauffeur stehen Christian Wulff nach seinem erzwungenen Rücktritt als deutscher Bundespräsident zu. Und das, obwohl er das höchste Amt im Staat durch seine Affären und seinen Umgang damit nachhaltig beschädigt hat. Und was macht der Mann, der nach außen stets den Polit-Saubermann gespielt und seine Vorbildrolle herausgekehrt hat? Er tut das, was er offenbar seit Beginn seiner steilen Politkarriere getan hat: Er kassiert!

Christian Wulff ist erst 52 Jahre, bis an sein Lebensende können da sechs Millionen Euro und mehr zusammenkommen. Keine schlechte Pension für nicht einmal zwei Jahre im Amt. 

Wulff nun vermutlich unvermittelbar
Tatsächlich dürfte seine finanzielle Abhängigkeit mit ein Grund gewesen sein, weshalb Wulff sich trotz der massiven Vorwürfe so lange am Amt festgekrallt hat. Wulff hat Familie, und nach dem Schauspiel der vergangenen Wochen werden seine bisherigen Gönner ihn fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Es ist kein Renommee mehr, sich mit ihm zu zeigen, ganz im Gegenteil. Die Schmach färbt ab. 

Da Wulff also vermutlich unvermittelbar ist, auf die ihm als ehemaliger Ministerpräsident von Niedersachsen zustehende Pension aber bis zur Vollendung seines 60. Lebensjahres warten muss, wäre er quasi mittellos.

Ehrensold als "Abschiedsgeschenk" von Merkel?
Natürlich werden in Deutschland Stimmen laut, dass einem ehrlosen Ex-Präsidenten, der zurücktreten musste, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, auch kein Ehrensold zustehen könne. Doch aus Berliner Polit-Insider-Kreisen sickerte durch, dass Kanzlerin Merkel Wulff nur zum längst fälligen Rücktritt bewegen konnte, indem sie ihm die mehr als fürstliche Apanage zugesichert hat.

Und so trat Wulff am Freitag um 11 Uhr an der Seite seiner Ehefrau Bettina vor die Presse und gestand endlich ein, dass er das in ihn gesetzte Vertrauen verspielt hat und zurücktrete.
Interimistisch wird nun laut Verfassung Bundesratspräsident Horst Seehofer für 30 Tage das Amt des Bundespräsidenten übernehmen. Dann muss die Bundesversammlung zusammenkommen und einen Nachfolger wählen. Favorit ist der parteifreie Joachim Gauck.

Gauck als Favorit im Präsidentenrennen
Der evangelische Pastor aus der DDR, der intensiv an der deutschen Wiedervereinigung mitgewirkt und dann als Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde die geheimen Akten des DDR-Spitzeldienstes der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, ist in ganz Deutschland als moralische Autorität hoch angesehen. Und als Oppositionskandidat war er Christian Wulff bei dessen Wahl zum Staatschef im Jahr 2010 erst im dritten Wahlgang unterlegen...

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