Honduras im Schock
Nach Feuerinferno: Präsident schickt Angehörigen Särge
Die meisten Häftlinge verbrannten oder erstickten in giftigen Rauchwolken, weil ihre Zellen zu spät geöffnet wurden. "Die Wachen haben die Tür nicht geöffnet", sagte dazu der 69-jährige Leonidas Medina, der seinen umgekommenen Sohn betrauerte. "Sie wären nicht gestorben, wenn nur die Türen geöffnet worden wären." Dutzende Insassen wurden schwer verletzt, am Mittwochnachmittag erlagen zwei Männer im Krankenhaus ihren Brandverletzungen.
Gefängnis völlig überbelegt
Sicherheitsminister Pompeyo Bonilla sagte, 475 Häftlinge hätten die Flammenhölle überlebt. Sie sollen nun anderswo untergebracht werden. Zum Zeitpunkt der Katastrophe saßen in dem Gefängnis rund 850 Häftlinge ihre Strafen ab - die Haftanstalt ist jedoch nur für rund 400 Insassen ausgelegt. Ob Gefangene in dem Chaos fliehen konnten, steht noch nicht fest.
Das Feuer flammte unter noch ungeklärten Umständen in der Haftanstalt, die rund 120 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes liegt, auf. Vermutet werden eine Brandstiftung durch Insassen oder ein Kurzschluss. In der ersten Aufregung glaubte ein Teil der Wachen offenbar zunächst an eine Gefangenenmeuterei. Der Gebäudekomplex wurde größtenteils zerstört.
Präsident Lobo sprach von einer "inakzeptablen Tragödie" und sagte eine "transparente" Untersuchung der Vorgänge zu. Um dies zu ermöglichen, suspendierte er sowohl den Leiter des Justizvollzugs, Danilo Orellana, als auch dessen Stellvertreter Abraham Figueroa sowie andere Verantwortliche der Institution.
Indes protestierten Hunderte Familienangehörige gegen die Überführung der Toten nach Tegucigalpa und verlangten die Herausgabe der Leichen. Die Chefin der Nationalen Gerichtsmedizin, Lucy Marrder, sagte, es werde mindestens drei Tage dauern, bis die Opfer identifiziert seien. Chile schickte ein Team von Spezialisten, um den Honduranern zu helfen. Auch von der Organisation der Amerikanischen Staaten sollen Experten nach Honduras entsandt werden.
Unmenschliche Bedingungen
In den überbelegten Gefängnissen von Honduras herrschen oft unmenschliche Bedingungen. Die 24 Haftanstalten des Landes sind insgesamt für maximal 8.000 Gefangene ausgelegt, doch sitzen 13.000 Häftlinge ein. Immer wieder kommt es zu Meutereien gegen die Haftbedingungen und zu Zusammenstößen zwischen Mitgliedern krimineller Banden. So wurden im Oktober des vergangenen Jahres neun Menschen bei einem Aufstand im Gefängnis von San Pedro Sula, der zweitgrößten honduranischen Stadt, getötet.
Das Gefängnis in Comayagua war nach Angaben der Gouverneurin von Comayagua, Paola Castro, kein Hochsicherheitsgefängnis, sondern ein Modell des Strafvollzugs für Gefangene, die mittlere Strafen abzubüßen haben. Demnach arbeiteten die Häftlinge tagsüber in der Landwirtschaft, bauten Gemüse an und mästeten Schweine, nachts kehrten sie dann in ihre Zellen zurück.
Korruption und Kriminalität
Honduras gehört zu den ärmsten Ländern des Kontinents. Von den rund acht Millionen Einwohnern, von denen rund eine Million in der Hauptstadt Tegucigalpa leben, sind laut offiziellen Statistiken mehr als 80 Prozent arm. Korruption und Kriminalität zählen zu den Hauptproblemen des Landes. Jugendbanden haben nach Angaben der Vereinten Nationen in Honduras mittlerweile mehr als 40.000 Anhänger.
Der Bananenanbau dominierte einst die Wirtschaft, heute spielt der Export von Kaffee und Fleisch eine mindestens ebenso wichtige Rolle. Für viele ist das politisch instabile Land nach wie vor die sprichwörtliche Bananenrepublik. Spätestens seit dem Putsch 2009 ist es gespalten in Befürworter und Gegner des gestürzten Staatschefs Manuel Zelaya, der Honduras mit Kuba und Venezuela verbündet hatte.







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