Nach Anschlagsserie

Nigeria: Islamisten-Sekte droht mit weiterer Gewalt

Ausland
26.01.2012 23:02
Die Islamisten-Sekte Boko Haram hat mit weiteren Gewalttaten in Nigeria gedroht. In einer am Donnerstag im Internet veröffentlichten Audiobotschaft übernahm der mutmaßliche Sektenführer Abubakar Shekau die Verantwortung für die Anschlagsserie in der Stadt Kano am 20. Jänner, bei der mindestens 185 Menschen getötet worden waren, und kündigte weitere Attentate an. Indes wurde in einem Vorort der Stadt ein deutscher Ingenieur entführt.

"Wir waren verantwortlich", sagte die Stimme in dem 40-minütigen Video auf YouTube, in dem ein Foto von Shekau (Bild) gezeigt wird. "Ich habe es angeordnet und ich werde diesen Befehl wieder und wieder geben." Zuvor hatte bereits ein mutmaßlicher Sprecher von Boko Haram die Verantwortung für die Bombenanschläge und Angriffe mit Schusswaffen in Kano übernommen. Die Hauptziele waren Polizeiwachen gewesen. Die Sekte Boko Haram kämpft gewaltsam für einen islamischen Staat im Norden Nigerias.

Die Echtheit der Botschaft konnte zunächst nicht überprüft werden. Stimme und Foto stimmten aber mit vorangegangenen Botschaften Shekaus überein. In der neuen Botschaft sagte er, die Sicherheitskräfte seien angegriffen worden, "weil unsere Mitglieder festgenommen und gefoltert wurden". "Auch unsere Frauen und Kinder wurden festgenommen", fügte der Mann hinzu und drohte mit Rache: "Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass auch sie Frauen und Kinder haben. Wir können sie entführen, das liegt nicht außerhalb unserer Fähigkeiten."

Deutscher Ingenieur entführt
Wie unterdessen bekannt wurde, haben Bewaffnete in Nigeria einen Deutschen entführt. Der für eine Baufirma tätige Ingenieur sei in einem Vorort von Kano verschleppt worden, teilte die örtliche Polizei am Donnerstag mit. Polizeisprecher Magaji Majia sagte, der Ingenieur habe für die nigerianische Baufirma Dantata and Sawoe gearbeitet. Ein Fahrer und zwei weitere Angreifer hätten den Deutschen verschleppt, sagte Majia. "Sie kamen und fesselten ihn, steckten ihn in den Kofferraum und fuhren davon." Wer hinter der Entführung stecke, könne er nicht sagen. Auch gebe es keinen Kontakt zu den Entführern.

Dem Sprecher zufolge ereignete sich der Vorfall gegen acht Uhr am Morgen an der Baustelle einer Brücke. "Wir haben alle wichtigen Straßen gesperrt und auch die Nachbarstaaten informiert", sagte Majia. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, ein Krisenstab sei gemeinsam mit der deutschen Botschaft mit Hochdruck um Aufklärung bemüht. Es gebe Kontakt zu allen relevanten Behörden.

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