Mit einer Powerpoint-Präsentation und einer Fülle von Details wartete Ankläger Gregor Adamovic gleich zu Beginn der Verhandlung auf. Liebesbriefe des Opfers an den Angeklagten, Details über Kontobewegungen und Ergebnisse der Verbindungsdaten der Handys des Angeklagten wurden den Geschworenen ebenso auf großer Leinwand präsentiert wie grauenvolle Bilder des durch den Brand entstellten Opfers.
Adamovic beschrieb Agustin S. als Persönlichkeit mit zwei Seiten. Er sei "nicht das offensichtliche Monster, das man in einem solchen Fall bei so einer Tat erwarten würde". Es gebe Zeugen, die ihn als hilfsbereit und freundlich bezeichneten. "Aber da gibt es auch eine ganz andere Seite", so der Staatsanwalt: Der 60-Jährige werde in Aussagen auch als "sehr lügenhaft" dargestellt. Als Teile einer Indizienkette wertete der Ankläger auch jene 4.000 Euro, die die Frau kurz vor ihrem Verschwinden abgehoben bzw. bei einer Bekannten ausgeborgt hatte.
Opfer schwärmte in Liebesbriefen von Agustin S.
Der Angeklagte ist Vater von sechs Kindern und war mehrmals verheiratet. Nachdem er 2009 bei einer Konzertagentur gekündigt worden war, habe er im März 2010 einen Souvenir- und Getränkestand auf der Donauinsel eröffnet. Als es zur Tat kam, sei das Geschäft aber bereits wieder vor der Schließung gestanden.
An dem Stand lernten sich das Opfer und der Angeklagte im Mai 2010 jedenfalls kennen. Lydia D., diplomierte Sportlehrerin, die 1985 aus Polen nach Wien gekommen war, verliebte sich in den Kiosk-Besitzer. Der Angeklagte gab allerdings an, dass die beiden keine intime Beziehung miteinander hatten. D. schwärmte jedoch in Liebesbriefen von ihm mit Worten wie "Du bist mein Stern". Lydia D. sei Agustin S. "ziemlich nachgestiegen", erklärte sein Anwalt, Farid Rifaat.
Angeklagter: "Ich war völlig außer mir, ich war zornig"
Einen Tag vor der Tat sei es auf ihren Wunsch zum sexuellen Kontakt gekommen. Er habe dem nur zugestimmt, weil sie ihm versprochen habe, dass sie ihn dann für den Rest ihres Lebens in Ruhe lassen würde. Auf der Rückfahrt von einem Bratislava-Ausflug sei es schließlich zum Streit gekommen, der für die 72-Jährige tödlich endete: Lydia D. habe ihn immer wieder beschimpft, er, Agustin S., daraufhin zweimal zugeschlagen – mit der Faust ins Gesicht und mit der Lenkradsperrstange auf den Kopf. Lydia D. sackte zusammen und fiel nach vorne. Obwohl sie sich nicht mehr rührte, habe er dennoch gesagt: "Bleib ruhig und halt den Mund."
"Ich war völlig außer mir, ich war zornig, habe die Kontrolle verloren. Ich habe keine Kontrolle mehr über meine Gedanken gehabt", erläuterte S. vor Gericht. Schließlich habe er die 72-Jährige aus seinem Auto gehoben und abgelegt. "Wie sie dort gelegen ist, habe ich mir gedacht: Warum tust du mir das an? Du bist eine Hexe", erinnerte sich der gebürtige Argentinier. Weil er auf sie so "wahnsinnig böse war", trat er auch noch mit dem Fuß mehrmals auf das Gesicht des Opfers ein.
Eigentlich habe er die Frau vergraben wollen. Schließlich habe er sie jedoch angezündet, weil er dachte, "wenn ich sie anzünde, dann ist sie weg". Den Benzinkanister, den er in seinem Diesel-Pkw mitführte, hatte er laut Staatsanwalt für seinen Rasenmäher besorgt.
Dem Gutachten des Gerichtsmediziners zufolge starb Lydia D. aufgrund eines Schädelhirntraumas und wegen enormer Gehirneinblutungen. Am Fundort der Leiche wurde schließlich ein abgebranntes Zündholz mit DNA-Spuren des 60-Jährigen entdeckt.
Zeugin dachte: "Er ist wirklich besorgt"
Am frühen Nachmittag folgte dann die Befragung von zwölf Zeugen: Bekannte des Opfers schilderten, dass der Angeklagte sich Tage nach dem Verschwinden der Pensionistin bei ihnen gemeldet und nach der Frau erkundigt habe. Eine Zahnärztin, die das Opfer seit 20 Jahren kannte, erzählte, sie habe zunächst gedacht: "Er ist wirklich besorgt." Einen besorgten Eindruck machte Agustin S. auch auf einen ihm bekannten Polizisten, dem er sich anvertrauen wollte. Als die Polizei Bilder der Schmuckstücke des Opfers veröffentlichte, um Hinweise zur Identität der verbrannten Frauenleiche zu bekommen, meldete er sich telefonisch bei dem Beamten.
Ihm wollte er, so gab er später an, "alles erzählen". Er habe angerufen und gesagt, dass er die Schmuckstücke erkannt habe und sie "von der Lydia D. sind, die bei ihm verkehrt hat", erzählte der als Zeuge geladene Polizist. Schlussendlich blieb es jedoch nur bei dem Hinweis zum Schmuck von Lydia D., "weil ich mich geschämt habe", so der Beschuldigte. Der Ermittler schaltete das LKA Burgenland ein.
Am Dienstag sollen weitere 15 Zeugen befragt werden – dann kommen die vier Gutachter, darunter auch Profiler Thomas Müller, zu Wort.
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