Liebesg´schichten. Was für ein Kontrast! Eine Orgie an Teddybären, Pölsterchen und Bildchen um 20.15 Uhr, eine karge Verhörzelle, pardon das Sprechzimmer 23 im Parlament, 50 Minuten später. Wenn auch der äußere Rahmen zwischen den „Liebesg´schichten und Heiratssachen“ und den „Sommergesprächen“ nicht deutlicher kontrastieren könnte: Der ORF programmiert die beiden Sendungen sehr bewusst hintereinander. Denn die sommerliche Partner-Suchaktion, bei der vorwiegend schrullige, manchmal wunderliche Kandidaten präsentiert werden hat sich seit Jahrzehnten als Publikumsmagnet bewährt. Und so mancher Zuseher, der sich an den Damen und Herren, die in ihren überdekorierten Wohnungen und Häusern, zwischen Blumenkränzen und Sinnsprüchen ihre Ansprüche an die Liebe und einen Partner formulieren, delektiert, bleibt danach auf ORF2 hängen - und landet so heuer bei Susanne Schnabl und den Parteichefs im Parlament. Dort vermisst man nicht nur Lampions und Engerln als Deko. Auch die Interview-Kandidaten sorgen für weit weniger Kurzweil als die Partnersucher zuvor. Dabei geht es auch hier um Liebeswerben und um Partnersuche…
Heiratssachen. Hält die türkis-grüne Koalition tatsächlich bis zu ihrem programmierten und garantierten Ende beim spätestmöglichen Wahltermin im Herbst 2024, dann hätte Grünen-Chef Werner Kogler gestern zum vorletzten Mal als Vizekanzler im Sommergespräch gastiert. Gut möglich aber, dass es bereits das letzte war - wenn die Regierung ihr längst erreichtes Ende auch öffentlich einbekennt und früher wählen lässt. Für Kogler wird die ÖVP danach kein Partner mehr sein. Und Kogler keiner für die Volkspartei. Schlicht deshalb, weil es ausgeschlossen ist, dass die beiden noch regierenden Parteien gemeinsam noch einmal eine Mehrheit erreichen können. Also müssen die Grünen nicht nur um die Wähler werben („Jetzt sollten - die positiven Kräfte jedenfalls - alle einmal um Vertrauen werben“, sagte Kogler im Sommergespräch), sondern bestenfalls auch um neue Partner. Wenn sie nicht auf der gewohnten Oppositionsbank anstelle der Regierungsbank landen. Dafür ließ der Grünen-Chef gestern im drei Tage zuvor aufgezeichneten Sommergespräch tatsächlich durchaus Sympathie erkennen. Und das wird wohl auch die überwiegende Mehrheit der Wähler so sehen: Die Grünen sind in der Opposition besser aufgehoben als in der Regierung. „Heiratssachen“?: Diese Frage wird sich im nächsten Jahr für Kogler und seine Grünen also kaum stellen.
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