Aufgenommen wurden die Bilddaten während mehrerer Orbits von "Mars Express" bereits zwischen dem 28. Oktober und dem 13. November 2004, aber erst jetzt wurden sie zu einem Mosaik mit einer Auflösung von etwa 14 Metern pro Bildpunkt (Pixel) zusammengefügt. Die nun veröffentlichten Abbildungen zeigen einen Ausschnitt bei 13 Grad nördlicher Breite und 268 Grad östlicher Länge auf dem Roten Planeten.
Erstellt wurden die Höhenschichtbilder am Institut für Geologische Wissenschaften an der Freien Universität Berlin, wobei die Schrägansichten aus den Stereokanälen der High Resolution Stereo Camera, kurz HRSC, berechnet wurden. Die in Regenbogenfarben kodierten Falschfarbenbilder beruhen auf digitalen Geländemodellen der Region, aus denen sich die Topographie der Landschaft ableiten lässt.
Kollabierter Vulkankegel
Mit einer Grundfläche von 155 mal 125 Kilometern ist der rund 8.000 Meter hohe Feuerberg Tharsis Tholus auf dem Roten Planeten nur ein Vulkan aus dem "Mittelfeld", nach irdischen Maßstäben aber ein wahrhaftiger Riese. Von vielen anderen Vulkanen auf dem Mars unterscheidet er sich aber dadurch, dass das sogenannte Vulkangebäude stark in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Der Vulkankomplex ist nicht wie sonst üblich ebenmäßig kegel- oder schildförmig über einem Förderzentrum gewachsen, stattdessen weist er erhebliche Deformationsspuren auf.
So haben sich etwa im Laufe seiner vier Milliarden Jahre langen Entwicklung zwei gewaltige Einbrüche an der West- und der Nordflanke des Berges ereignet. Zeugen dieser Ereignisse sind die noch sichtbaren, teilweise mehrere Kilometer hohen Steilkanten.
Das Hauptmerkmal von Tharsis Tholus ist allerdings die Dimension seines zentralen Kraters. Dieser leicht elliptische Einsturzkessel am Gipfel des Vulkans ist mit einer Ausdehnung von ungefähr 32 mal 34 Kilometern fast so groß wie die deutsche Hauptstadt Berlin. Der Boden des Kraters befindet sich bis zu 2,7 Kilometer unterhalb der Abbruchkante.
Die Bildung des Einsturzkessels kann man sich wie folgt vorstellen: Eine flach unter dem Vulkan lagernde Magmakammer entleert sich bei vulkanischen Ausbrüchen größtenteils, was schließlich zur Folge hatte, dass ein größerer Hohlraum im Inneren des Vulkans entstand. Das sich darüber befindliche Dachgestein konnte schließlich die Last des Vulkans nicht mehr tragen und es kam zum Kollaps. Als Resultat entstand ein großer Einsturzkessel (auch Caldera genannt).
Wahre Größe des Vulkans ist verdeckt
Die wahre Größe von Tharsis Tholus ist allerdings verdeckt. Wie auf der senkrechten Draufsicht auf den Vulkan (Bild 6) zu erkennen ist, ist er von zahlreichen erstarrten Lavaströmen umflossen. Das hat zur Folge, dass der ursprüngliche Fuß des Vulkans nicht mehr erkennbar ist. Gemessen an der Vielzahl und Mächtigkeit der Lavaströme ist es daher möglich, dass Tharsis Tholus bis zu mehreren Kilometern Tiefe quasi in Lava "ertrunken" ist.








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