Neue Ausstellung

Zeitreise: Als viele Iraner in Graz studierten

News aus Graz
25.05.2023 10:00

Sie wurden als Kamelbetreiber beschimpft, schätzten dennoch die neue Freiheit - und wurden zu Vorbildern für Studentenprotesten. Zwschen den 1950ern und 1970ern studierten viele Iraner in Graz. Eine neue Ausstellung im GrazMuseum ist auf ihren Spuren unterwegs.

„Wir waren wie Rohdiamanten“, sagt Gholamali Khoschsorur. Er ist einer von unzähligen Iranern - zum Großteil Männer -, die ab den 1950ern und bis in die 1970er als Studenten nach Graz kamen. „An der Technischen Hochschule waren damals bis zu zwei Drittel der Studierenden Ausländer“, erklärt Joachim Hainzl, der die Ausstellung im GrazMuseum mit Maryam Mohammadi (Verein Xenos) kuratiert hat.

„Als Kameltreiber beschimpft“
Mit offenen Armen wurden sie nicht empfangen: „Graz war damals noch von Krieg und Wiederaufbau gezeichnet, es gab Neid und Vorurteile“, weiß Museumsleiterin Sibylle Dienesch. „Wir wurden als Kameltreiber beschimpft“, erinnert sich Hossein Sabzehvari. Die deutsche Sprache haben er und seine Kollegen oft „wild“ gelernt.

Aber es gab auch große Dankbarkeit, hierher kommen zu können: „Es war auch eine schöne Zeit. Was uns verbunden hat, war die Freiheit, die Österreich geboten hat“, sagt Sabzehvari. Sie wurden auch politisch aktiv, vor allem im Kampf gegen den Schah. Hainzl: „So wurden die Exil-Iraner auch zu Vorbildern der österreichischen Studentenbewegung“.

Erinnerungen an ein Graz von gestern
Viele der Studenten blieben in Graz, heirateten eine Österreicherin und wurden zum Teil der Stadtgeschichte. Andere wiederum kehrten in den Iran zurück: „In Teheran gibt es bis heute Alumni-Gruppen, die sich bei ihren Treffen gerne an die Zeit in Graz erinnern“, erzählt Yousef Haririan.

Die Spuren all dieser Geschichten nimmt die Schau auf - und verfolgt sie bis ins Heute. Maryam Mohammadi hat auch Nachfahren der Iraner porträtiert: „Sie sind oft mit zwei Kulturen aufgewachsen. Wie sie diese zu einer hybriden Identität geformt haben, hat mich interessiert“, erzählt sie. Ihre Arbeiten komplettieren eine sehenswerte Schau, für die es auch ein umfangreiches Rahmenprogramm gibt.

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