Schüsse in Sarajevo
Täter nach Angriff auf US-Botschaft festgenommen
Mevludin Jasarevic habe rund 40-mal mit einer Kalaschnikow auf die US-Botschaft gefeuert, berichtete der staatliche bosnische Rundfunk. Laut einem Augenzeugen, der gegenüber der Botschaft arbeitet, schoss der Mann auch auf Zivilpersonen. Bei dem Angriff wurden zudem zwei Wächter der US-Botschaft verwundet, einer von ihnen schwer.
Der Attentäter, der mit einer Oberschenkelwunde davongekommen ist, liegt laut der bosnischen Staatsanwaltschaft unter starker Polizeibewachung in einem Krankenhaus in Sarajevo.
17 Islamisten festgenommen
Samstag früh wurden weitere 17 Personen, mutmaßliche Angehörige der radikalen islamistischen Bewegung der Wahhabiten, festgenommen. Der serbische Polizeidirektor Milorad Veljovic hat den Zugriff im Sandschak, der Region im Südwesten Serbiens, bestätigt. Einer der Festgenommenen stammt laut Veljovic aus Bosnien. Gegenüber der bosnischen Presseagentur SRNA sagte er, dass er nicht überrascht wäre, sollte es sich herausstellen, dass die festgenommenen Personen in Serbien eine ähnliche Aktion vorbereitet hätten wie in Sarajevo.
Alle Verdächtigen stünden in bestimmter Weise mit dem Attentäter von Sarajevo in Verbindung, präzisierte Veljovic. Nach seinen Angaben wurden im Sandschak von der Polizei 18 Computer und Laptops, 20 Handys, mehr als 1.800 CDs, diverse Literatur, etwa 30 Tonbänder, rund 50 SMS-Karten, fünf Tarnanzüge, eine Kamera, drei größere Messer, ein Säbel und mehr sichergestellt. Bereits am Freitagabend war auch das Familienhaus des 23-jährigen Attentäters aus Sarajevo durchsucht worden.
Der Attentäter ist der serbischen Polizei von früher bekannt. Als kürzlich die US-Botschafterin in Serbien Novi Pazar besucht hatte, wurde er vorübergehend festgenommen, nachdem bei ihm ein Messer sichergestellt worden war, berichteten Medien in Belgrad.
Kontakte zu Islamisten in Österreich geknüpft
Der Mann soll seine ersten Kontakte zu radikalen Islamisten in Österreich geknüpft haben: Das erklärte eine im serbischen Novi Pazar lebende Tante des Attentäters gegenüber der bosnischen Tageszeitung "Dnevni avaz". Ihr Neffe, dessen Eltern geschieden seien, sei bei ihr aufgewachsen, bevor er mit der Mutter nach Österreich gegangen sei.
Sie bestätigte auch Medienberichte, wonach der junge Mann wegen eines Raubüberfalls 2005 in Wien zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden war. Danach war er nach Serbien abgeschoben worden. Vor zwei Jahren hatte der Attentäter nach Angaben der Tante geheiratet und war nach Bosnien umgezogen. Er hat einen zweijährigen Sohn. Die Tante, die ihn zuletzt vor zwei Monaten gesehen haben will, als er zu Besuch in Novi Pazar war, konnte seinen bosnischen Wohnort der Tageszeitung gegenüber nicht angeben.
Der Attentäter selbst hat laut der Tageszeitung der bosnischen Polizei gegenüber erklärt, dass er im Februar in der Ortschaft Gornja Maoca bei Brcko, der bekanntesten Siedlung radikaler Islamisten in Bosnien, gelebt habe. Danach sei er nach Novi Pazar zurückgekehrt, um den Islam zu verbreiten.
Panik im Zentrum von Sarajevo
Im Zentrum von Sarajevo waren Menschen am Freitag wegen der Schießerei in Panik geraten. Der Stadtbezirk, in dem die US-Botschaft liegt, wurde weiträumig abgesperrt. Spezialeinheiten der Polizei waren wenige Minuten nach den ersten Schüssen auf das Botschaftsgebäude am Einsatzort. Auch eine Hauptstraße wurde gesperrt, was einen Verkehrsstau verursachte. Die Botschaft wurde geschlossen.
Über die genauen Hintergründe des Angriffs hüllen sich die bosnischen Behörden bislang in Schweigen. Der muslimische Vertreter im dreiköpfigen bosnischen Staatspräsidium, Bakir Izetbegovic, sprach von einem "terroristischen Akt". Er erwarte eine zügige Untersuchung des Vorfalls.
"Lass uns die Verwundeten rausholen"
Etliche Augenzeugen des Anschlags berichteten gegenüber Medien, dass dieser bei ihnen erneut die Bilder des Bosnien-Krieges wachgerufen habe. Viele behaupteten auch, zuerst gar keine Angst gehabt zu haben. So hatten die beiden Wächter der US-Botschaft die erste Hilfe von Passanten erhalten. "Lass uns die Verwundeten rausholen", soll einer der Helfer dem Attentäter zugerufen haben. Dieser stimmte zu.
Die US-Botschaft liegt gegenüber dem Sitz der Verkehrspolizei. Als die Schießerei begann, wagte nach Worten eines Augenzeuges, der sich zu jenem Zeitpunkt in der Polizei befand, zunächst keiner der Polizisten auf die Straße zu gehen. Der Attentäter wurde schließlich von Angehörigen einer Sondereinheit überwältigt.
Erster Angriff auf US-Botschaft in Bosnien-Herzegowina
Die US-amerikanische Botschaft in Bosnien-Herzegowina war 2002 wegen einer allgemeinen Bedrohungslage kurzzeitig geschlossen worden. Sie wurde bisher aber nie angegriffen. Die USA gelten als enger Verbündeter von Bosnien-Herzegowina. Allerdings ist im Land seit Jahren eine schleichende Durchdringung des täglichen Lebens von der islamischen Religion zu beobachten. Im ganzen Land sind Dutzende neue Moscheen entstanden. In Südserbien gibt es fundamentalistische islamische Gruppen, die sich von Zeit zu Zeit zu Wort melden.
Während des Bosnien-Krieges zwischen 1992 und 1995 kamen zahlreiche Freiwillige aus muslimischen Ländern in das Land, um ihre Glaubensbrüder im Kampf gegen Serben und Kroaten zu unterstützen. Viele von ihnen blieben nach Kriegsende und bekamen die bosnische Staatsbürgerschaft.
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