Human Rights Watch:
“Massenhinrichtung von Gadafi-Anhängern in Sirte”
Das Gebiet um das Hotel El Mahari sei seit Anfang Oktober von Anti-Gadafi-Kämpfern aus der Stadt Misrata kontrolliert worden, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. Der Zustand der Opfer lasse darauf schließen, dass sie zwischen dem 14. und 19. Oktober getötet worden seien, sagte der HRW-Experte Peter Bouckaert nach entsprechenden Untersuchungen. Die in New York ansässige Organisation forderte den Nationalen Übergangsrat auf, umgehend Ermittlungen einzuleiten und die Verantwortlichen für das Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen.
Ein AFP-Journalist hatte am Sonntag auf dem Hotelrasen sogar mehr als 60 Leichen gesehen, einige davon gefesselt, viele mit Schusswunden im Kopf. Für den Nationalen Übergangsrat tätige Kämpfer erklärten, das Hotel habe den Gadafi-Männern als Gefängnis für Rebellen gedient. Sie hätten es am Donnerstag entdeckt, als Gadafi umgebracht wurde, und seien überzeugt, dass die Gadafi-Truppen vor ihrer Flucht die Gefangenen getötet hätten.
Libyen feierte Befreiung von Gadafi
Trotz der durch den monatelangen Krieg verursachten schrecklichen Einzelschicksale, ist den Menschen in Libyen derzeit auch zum Feiern zumute. Der libysche Übergangsrat hatte das Land am Sonntag nach 42 Jahren Diktatur von Gadafi für befreit erklärt. Während eines Festaktes drei Tage nach dem Tod des Ex-Machthabers mit Zehntausenden Menschen in Bengasi verkündete der Ratsvorsitzende, Mustafa Abdul Jalil, offiziell den Sieg über das Gadafi-Regime.
Jalil rief seine Landsleute zu Einheit, Versöhnung, Geduld und Toleranz auf. Außerdem versprach er Rechtsstaatlichkeit sowie die Einhaltung von Menschenrechten. Die Basis für das neue Libyen soll die islamische Rechtsprechung sein. Auf dem Festplatz in Bengasi, wo der Aufstand gegen Gadafi vor acht Monaten begonnen hatte, schwenkten begeisterte Menschen Fahnen. Viele tanzten auf den Straßen, wie auf Fernsehbildern zu sehen war.
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