NATO plant Rückzug

Libyen: Bedrohung durch Gadafi-Truppen sehr gering

Ausland
18.10.2011 17:19
Die verbliebenen Truppen des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gadafi sind nach Einschätzung der NATO keine nennenswerte Bedrohung mehr für die Zivilbevölkerung des Landes. "Aus unserer Sicht kommt der Tag näher, an dem wir unseren Einsatz beenden werden", sagte NATO-Sprecherin Carmen Romero am Dienstag in Brüssel.

Ein genaues Datum konnte Romero noch nicht nennen. Sie führte aber aus, dass die NATO den seit März laufenden Einsatz beenden werde, sobald sie überzeugt sei, dass die Zivilbevölkerung nicht mehr bedroht und dass der Übergangsrat der Rebellen in der Lage sei, die Sicherheit der Bürger zu garantieren. "Unser Einsatz mag vor dem Ende stehen, aber wir bleiben wachsam, bis wir von unserem Auftrag entbunden sind", fügte Militärsprecher Roland Lavoie hinzu.

Zugleich erklärte er, dass in der einstigen Gadafi-Hochburg Sirte nur noch "ein sehr kleines Gebiet von ein paar Häuserblocks" von Soldaten des Ex-Dikators kontrolliert werde. Die Gadafi-Getreuen versuchten, ihre Positionen zu halten, seien aber zu größeren Angriffen nicht mehr fähig, so Lavoie.

Im Wüstenort Bani Walid seien die Gadafi-Truppen sogar nur noch "bemüht, die eigene Gefangennahme zu verhindern": "Sie kontrollieren keine nennenswerten bewohnten Gebiete mehr und stellen außerhalb von einigen Widerstandsnestern keine Gefahr mehr für die Zivilbevölkerung dar."

"Gadafi hat noch nicht aufgegeben"
Unterdessen warnte der Chef der Übergangsregierung, Mahmud Jibril, in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Zeitung "Al-Sharq al-Awsat", dass der ehemalige Machthaber noch nicht aufgegeben habe. Sein Plan sei es, entweder einen "islamischen Staat" im Süden Libyens auszurufen oder den neuen libyschen Staat zu destabilisieren, indem er Zwietracht unter den verschiedenen Stämmen und politischen Strömungen säe.

Laut Jinbril soll sich Gadafi, der seit der Eroberung von Tripolis im August verschwunden ist, immer noch in Libyen aufhalten.

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