Im Volkstheater arbeitet Starregisseur Luk Perceval in Etappen an seiner Shakespeare- Kolossalrevue „ROM“ - die Premiere ist 2024
Es war eine Volkstheater-„Premiere“, die Aufsehen erregte: Luk Perceval (63), einer der bedeutendsten Regisseure, und nicht nur Belgiens, gewährte zweimal wöchentlich im Streaming Einblick in die Probenarbeit an seiner neuen Shakespeare-Kolossalrevue „ROM“, die 2024 Premiere haben wird: „Ich möchte vielen übers Streaming die Schwellenangst vor den Kathedralen der Kunst nehmen, in denen wir Dinosaurier sind“, meint Perceval lachend im „Krone“-Gespräch.
„Shakespeare-Wahnsinn“ nannte „Die Zeit“ Percevals zwölfstündige Revue „Schlachten“, die 1999 die Sensation der Salzburger Festspiele und der internationalen Theaterszene war. An vier Abenden zeigte er im Festspielhaus St. Pölten die für sein berühmtes NTGent entstandene Historienshow in vier Teilen, „The Sorrows of Belgium“, die sich u. a. mit Belgiens brutaler Politik im Kongo auseinandersetzte. Legendär waren seine Inszenierungen einer „Molière-Passion“ (2007), der Tschechow-Stücke „Platonov“ und „Drei Schwestern“, des Romans „Oblomov revisited“, von „FRONT - Im Westen nichts Neues“ usw.
Perceval auf „Sinnsuche“: „Ich lerne und verstehe vieles aus der Tradition. Und ich möchte mit meiner Arbeit der Sprache, die heute an Würde verloren hat, weil man nur noch in Slogans spricht, diese Würde wieder zurückgeben.“
Fürs Volkstheater montiert er vier Römer-Dramen Shakespeares, „Coriolan“, „Titus Andronicus“, „Julius Cäsar“ und „Antonius und Cleopatra“: „Theater war zur Zeit Königin Elizabeths I Propaganda, das Publikum kannte diese Figuren. Wir sehen heute etwa Cleopatra als würdevoll repräsentativ, damals wurde sie von einem Mann als Parodie gespielt. Das muss zum Schenkelklopfen und Sich-Totlachen gewesen sein. Mich erinnert sie an Jackie Kennedy. Aber wir müssen diese mächtigen Figuren zwischen der Pflicht der Staatsmänner und der Lust des Körpers ernst nehmen. Es geht um den Konflikt zwischen Kopf und Körper.“ 2024 wird weitergeprobt: Volkstheater-Premiere: 20. April 2024.
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