Mo, 20. August 2018

Edel, schön, schnell

17.09.2011 13:20

So überholt der Alfa Giulietta rechts auf der Emotionalspur

Feurig roter Lack, Linien und Kurven, die ein Designer geträumt haben muss, dazu 235 PS unter der schönen Haube: Es ist der Alfa Romeo Giulietta 1750 TBi Quadrifoglio Verde, der hier aus dem scharf geschnittenen Gesicht blickt und mich direkt ins Herz trifft. Das hat in dem Maß lange kein Alfa mehr geschafft.

Wie viele Jahre habe ich auf so etwas gewartet! Der Mito war nach der Reihe von Schwergewichten schon ein guter Anfang, doch jetzt greifen die Italiener den Golf an, mit der Giulietta Quadrifoglio Verde sogar den GTI - und ziehen rechts auf der Emotionalspur vorbei.

Ich bin mit der schnellen Giulietta nach Italien gedüst, wo ich mich auf der Autobahn sehr zurückhalten musste (die fast durchgängige Section Control kann leicht mal über 1.000 Euro kosten), einige Stunden vor Beginn der Aufführung der Oper "Romeo e Giulietta" komme ich an der Arena von Verona an. Dort wird die Giulietta selbst zur Attraktion, reihenweise bannen Touristen und Einheimische sie auf die Speicherkarten ihrer Digicams. Ist das Auto an sich schon wunderschön, legt die über 2.000 Euro teure Lackierung des limitierten Alfa Romeo 8C noch eins drauf.

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Auch der Innenraum ist italienisch edel, bis hin zum sportlich-eleganten schwarzen Dachhimmel. Klassische Rundinstrumente in den Alfa-Röhren, auch dass da "Benzina" und "Acqua" steht, macht Freude. Das Design mit der gebürsteten dunklen Konsole ist klar und reduziert, aber hochwertig. Und so fühlt sich auch alles an, da ist nichts billig oder langweilig, und es nervt auch nichts bei der Bedienung. Das war nicht immer so. So wurden Kleinigkeiten wie der Tempomathebel, der immer irgendwie im Weg war, oder der Radio-Power-Knopf, den man zum Ausschalten früher lange gedrückt halten musste, geändert. Auch sehr angenehm: Die Hupe reagiert auf leisestes Antippen und erlaubt so "italienisches Hupen". Weniger gelungen: An Ablagen wurde gespart und das Handschuhfach ist eine weit entfernte Höhle.

Nicht nur schauen, fahren!
Zwei Polizistinnen auf ihren Motorrollern haben keinen Sinn für die herrliche Optik und vertreiben uns aus dem Halteverbot vor der Arena (zum Glück straflos). Macht aber nichts, ein Alfa Romeo (insbesondere ein Quadrifoglio Verde) ist nicht nur zum Anschauen, sondern vor allem auch zum Fahren da. Schon in der Stadt ist es eine Freude, durch die engen Gassen zu wieseln, wo der Sound aus den beiden verchromten Auspuffendrohren von den Hauswänden widerhallt und uns die Blicke der Passanten folgen. "La Giulietta!" höre ich immer wieder durch die offenen Fenster, die Passanten freuen sich über den strahlenden Anblick.

Ein wenig außerhalb der Stadt lasse ich den Motor dann von der Leine. Ich stelle den DNA-Fahrdynamik-Schalter auf D wie "Dynamic", Romeo spannt die Muskeln, verschärft Motoransprechverhalten bzw. Gaspedalkennlinie, Lenkung und ESP (leider nicht abschaltbar) und galoppiert los wie ein junger Hengst. Ich brauche das Gaspedal nur anzutippen, schon geht es zur Sache. Dabei werde ich gleich mal vom Drehzahlbegrenzer überrascht, der bereits bei gut 6.000 Touren einschreitet – obwohl der rote Bereich erst bei 6.500/min. beginnt.

Wer auf den Begrenzer-Schmäh nicht hereinfällt, schafft den Sprint von 0 auf 100 mit der nach DIN 1.320 kg schweren Italienerin in 6,8 Sekunden. Maximal sind 242 km/h drin.

Kraft und Kontrolle
Das Quadrifoglio Verde verspricht nicht zu viel. Der 1.742 ccm kleine Vierzylinder-Turbo hängt fantastisch am Gas, die Drehmomentkurve steigt steil an, ab 1.900/min. fallen bereits volle 340 Nm über die Vorderachse her.

Und die bleibt von der geballten Kraft erstaunlich unbeeindruckt. Kein nervöses Gezerre an den 225er-Reifen auf den optionalen 18-Zoll-Alus, praktisch nicht mal Antriebseinflüsse. Das elektronische Sperrdifferenzial arbeitet tadellos und unauffällig, im Extremfall greift das ASR ein. Diese Problemlosigkeit ist umso erstaunlicher, wenn man den kleinen Bruder Mito kennt. Hier ist Alfa ein Antrieb gelungen, der nur noch vom Heckantrieb seliger Zeiten getoppt werden könnte.

Auch das Sechsganggetriebe ist genau am Punkt. Kurven durchmisst die Giulietta mit ihrem 20 mm tiefergelegten Sportfahrwerk wie auf Schienen, von der direkten Lenkung zielgenau dirigiert. Hier profitiere ich auch von der guten Sitzposition, die mir hier ermöglicht wird, dank weitem Verstellbereich von Sitz (hier ist nur die Kopfstütze etwas zu stark nach vorn geneigt) und Lenksäule. Seitenhalt habe ich genug.

Apropos Quadrifoglio Verde
Das Quadrifoglio Verde ist kein x-beliebiges Symbol, sondern verkörpert ein Stück Motorsportgeschichte: Ugo Sivocci, bis dato ewiger Zweiter, sollte mit einem Alfa Romeo im Jahr 1923 an der Targa Florio teilnehmen und bekam die unglücksselige Startnummer 13 zugewiesen. Daher malte ihm sein Mechaniker als Glücksbringer ein vierblättriges Kleeblatt auf einem weißen Dreieck aufs Auto. Sivocci holte den Sieg, das Quadrifoglio Verde wurde zum Markenzeichen für besonders schnelle Alfas. Wenig später testete Sivocci in Monza einen weiteren Alfa Romeo, auf dem entgegen seinem Wunsch noch kein Kleeblatt aufgemalt war. Er verunglückte tödlich. Die Startnummer 17, die das Auto trug, wird seither nicht mehr für italienische Rennwagen vergeben, das Quadrifoglio Verde blieb als "Sportabzeichen".

DER Alfa Romeo oder DIE Giulietta?
Die Giulietta ist beides: eine wunderschöne Dame und ein temperamentvoller Jüngling mit guten Manieren, der sich extrem ruhig und gelassen bewegen lässt (wenn der DNA-Schalter auf N steht). Wenn ihn allerdings der Hafer sticht, gibt es kein Halten mehr. Bei alldem fällt auf, dass nichts klappert oder knistert, die Giulietta vermittelt einen Qualitätseindruck, den ich ihr nicht zugetraut hätte. Dazu hat sie Alltagsqualitäten wie eine brauchbare Rückbank und einen mit 350 Liter recht großen Kofferraum. Und sie macht Spaß ohne Ende.

Der Spaß beginnt bei 29.990 Euro, serienmäßig sind etwa Brembo-Sportbremsanlage, sechs Airbags, Leder-/Mikrofaserausstattung, Zweizonenklima, Tempomat, elektrische Fensterheber rundum, 17-Zoll-Alufelgen, Audiosystem mit acht Lautsprechern, zwei Antennen und Lenkradbedienung oder beheizte Scheibenwaschdüsen. Der Testwagen kostet inklusive Extras und einem zusätzlichen Satz Alufelgen 37.000 Euro.

So dürfen die Herrschaften bei Alfa Romeo gern weitermachen, auf dass die Marke niemals das tragische Schicksal von Romeo und Julia ereile…

Stephan Schätzl

Warum?

  • Ungewöhnlich emotionales Auto für diese Klasse.
  • Qualitäten und Qualität passen.

Warum nicht?

  • ESP ist nicht abschaltbar

Oder vielleicht …

  • … VW Golf GTI, Peugeot 308 200 THP GTi, Renault Mégane RS, BMW 125i

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