Pflege und Betreuung

Schwere Arbeit und doch nicht Schwerarbeit

Burgenland
03.03.2023 08:58
Porträt von Burgenland-Krone
Von Burgenland-Krone

Beschäftigte in Pflege und Betreuung leisten Unglaubliches. Doch obwohl das der Politik bewusst ist, wird es nicht anerkannt.

Pflege ist Schwerarbeit. Die Arbeitszeiten sind lang, die Tätigkeit körperlich und psychisch belastend. „Ich arbeite zwischen 12 und 13 Stunden am Stück“, erzählt eine Krankenschwester. Auch die Wochenarbeitszeit ist länger, als beim gewöhnlichen Büroangestellten: Vollzeit entspricht 40 Wochenstunden. Sonn- und Feiertagsdienste sind ebenfalls zu absolvieren. Teilweise sei eine Schwester für 35 Patienten zuständig, so die Betroffene. Die Verantwortung ist groß. Und dennoch: Als Schwerarbeiter gelten die Pflegekräfte in den Spitälern nicht.

Kriterien sind nur schwer zu erreichen
Einer der Gründe, warum sie nicht unter die Regelung fallen, seien die Nachtdienste. Die geforderte Anzahl würden nur die wenigsten erreichen, meint die Frau. Auch wer nicht die notwendigen 40 Wochenstunden arbeite, habe keine Chance. „Ich bin selbst betroffen. Ich war zwischendurch nur 75 Prozent beschäftigt und jetzt wieder 100 Prozent. Deswegen müsste ich bis 62 Jahren arbeiten“, sagt sie. Den meisten Kolleginnen gehe es ähnlich.

17.000 Stimmen für Änderung
Dem SPÖ-Nationalratsabgeordneten Christian Drobits sind viele solcher Fälle bekannt. Die Betroffenen seien psychisch und körperlich am Ende und würden ans Aufhören denken. Er hat deswegen im Vorjahr mit der Gewerkschaft eine Petition gestartet, die von knapp 17.000 Mal unterzeichnet wurde. Gefordert wird, dass Pflege und Betreuung in die Schwerarbeitverordnung aufgenommen und dass die Ausbildungszeiten als Versicherungsmonate berücksichtigt werden. Außerdem soll bei jenen, die aufgrund der Belastung in eine Berufsunfähigkeitspension gehen müssen, die Beschäftigungszeiten abschlagsmindernd angerechnet werden.

Zitat Icon

Die breite Zustimmung zu unserer Petition zeigt, dass sich große Teile der Gesellschaft Sorgen machen, wie es mit dem Pflegesystem weitergehen soll

SPÖ-Nationalratsabgeordneter Christian Drobits

Unterstützung vom ÖGB
Volle Unterstützung dafür gibt es vom ÖGB Burgenland. Immer wieder würden sich Betroffene an die Gewerkschaft wenden, erklärt ÖGB-Landesvorsitzender Erich Mauersics. „Die Belastung ist enorm. Es gibt viele, die die Arbeit gar nicht bis zur Pension durchführen können.“

Drobits will weiter für die Betroffenen kämpfen
Doch seit Jahren würden die Anträge der SPÖ zu dem Thema im Nationalrat vertagt, kritisiert Drobits. Er will aber weiter Druck machen und kann einen ersten Erfolg verbuchen. Die Petition wird im nächsten Sozialausschuss behandelt. Drobits will ein klares Bekenntnis der Regierung erreichen: „Wir werden so lange an diesem Thema dran bleiben, bis die Regierung einlenkt - das sind wir den Pflege- und Betreuungskräften schuldig.“

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