Di, 25. September 2018

Hauptstadt erobert

28.08.2011 20:14

Rebellen: 10.000 Gefangene in Tripolis befreit

Die libyschen Rebellen haben seit der Eroberung von Tripolis nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Gefangene befreit, die in den vergangenen Monaten noch unter der Herrschaft von Muammar al-Gadafi inhaftiert worden waren. Von fast 50.000 weiteren Inhaftierten fehle jedoch jede Spur, sagte Rebellenoberst Ahmed Omar Bani am Sonntag in Bengasi.

Bani äußerte sich besorgt über das Schicksal der Vermissten. Er schloss nicht aus, dass sie getötet wurden, und verwies darauf, dass viele Bewohner der Hauptstadt derzeit Massengräber rund um die alten Haftanstalten entdeckten, etwa um das Gefängnis von Abu Slim. "Wir kennen die Namen derjenigen, die wissen, was mit den Gefangenen von Tripolis passiert ist. Sie werden von unseren Befreiungskräften gesucht", sagte Bani.

Die Rebellen waren am vergangenen Wochenende in der Hauptstadt Tripolis einmarschiert und hatten bald darauf auch die Residenz Gadafis erobert. Wo sich der langjährige Machthaber derzeit aufhält und ob er noch am Leben ist, ist weiter ungewiss.

"Es gibt kein Trinkwasserproblem"
Indes haben die Rebellen angesichts der schwierigen Versorgungslage in der Tripolis am Sonntag versprochen, mit Hochdruck an einer Verbesserung der Situation zu arbeiten. Rund 70 Prozent der etwa zwei Millionen Einwohner hätten zwar derzeit kein fließendes Wasser, es gebe aber grundsätzlich "kein Trinkwasserproblem", weil dieses in den Moscheen verteilt werde, sagte ein Vertreter der Aufständischen.

Die Probleme mit der Trinkwasserversorgung in der Innenstadt von Tripolis seien nicht auf Sabotage zurückzuführen, sagte der Vizechef des örtlichen Übergangsrats in Tripolis, Abed al-Obeidi. Vielmehr gebe es technische Probleme im Leitungssystem. Dies betrifft nach Obeidis Angaben vor allem mehrere Pumpstationen. Der Chef des Nationalen Übergangsrats, Mustafa Abdul Jalil, hatte die Schwierigkeiten in Tripolis, die auch die Versorgung mit Treibstoff und Nahrungsmitteln betreffen, am Samstag mit Sabotageakten von Anhängern des langjährigen Machthabers Gadafi begründet.

30 Tonnen Lebensmittel eingetroffen
Die Rebellen kündigten an, dass 30 Tonnen Lebensmittel auf einem Schiff eingetroffen seien und verteilt werden sollten. Nach Angaben eines leitenden Arztes in Tripolis gibt es in der Stadt genügend medizinische Vorräte für drei bis vier Wochen. Es gebe zwar "nicht alles, aber wir haben die wichtigsten Dinge", sagte er. Zudem komme Nachschub aus der bisherigen Rebellenhauptstadt Bengasi. "60 Prozent des medizinischen Personals arbeiten", sagte der Arzt.

Rebellen: "Es wird keine endlosen Verhandlungen geben"
Die nach eigenen Angaben kurz vor Gadafis Heimatstadt Sirte stehenden Rebellenkämpfer warnten indes vor einem Ende ihrer Verhandlungsbereitschaft mit den Stammesführern der Stadt. "Es wird keine endlosen Verhandlungen geben", sagte ein Sprecher des Nationalen Übergangsrats. Wenn nicht rasch eine Einigung zur Übergabe der Stadt erzielt werde, solle sie militärisch eingenommen werden. Verhandlungen mit Gadafi schließen die Rebellen überhaupt aus.

Größte Ölraffinerie des Landes nicht beschädigt
Die größte Ölraffinerie in Libyen, Ras Lanuf an der Mittelmeer-Küste, die vor einigen Tagen noch unter Kontrolle des Regimes war, ist trotz heftiger Gefechte zwischen Rebellen und Gadafi-Truppen in unmittelbarer Nähe unversehrt. Das Personal bereite die Wiederinbetriebnahme der Anlage vor, sagte Geschäftsführer Nagib Burweiss der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag. Auch die Gas-Pipeline zwischen Libyen und Italien sei repariert, und der Weg sei frei für eine Wiederinbetriebnahme.

Die von den Rebellen kontrollierte staatliche Ölfirma AGOCO teilte am Sonntag mit, sie würde die Produktion an ihren Feldern Sarir und Mesla Mitte September fortsetzen. Die erste Ladung werde dann das Exportterminal Tobruk noch vor Ende September verlassen.

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