Mo, 20. August 2018

Audio-Botschaften

24.08.2011 09:46

Gadafi: "Kämpfe bis zum Sieg oder sterbe als Märtyrer"

Der libysche Machthaber Muammar al-Gadafi hat sich nach der Eroberung seines Hauptquartiers in Tripolis durch die Rebellen in Tonbotschaften zu Wort gemeldet. Aufgeben will er demnach auch weiterhin nicht. In einer am Dienstagabend vom Fernsehsender al-Oruba veröffentlichten Aufnahme sagte Gadafi, er werde weiterkämpfen bis zum Sieg gegen die NATO oder er werde als Märtyrer sterben. In einer von einer Radiostation verbreiteten Botschaft rief Gadafi die Bevölkerung zum Widerstand auf und erklärte, dass er sich immer noch in Tripolis aufhalte.

"Ich gehe unerkannt spazieren, ohne dass die Menschen mich sehen", sagte Gadafi in der am Mittwoch ausgestrahlten Botschaft. Er habe eine Tour durch die libysche Hauptstadt gemacht und dabei den Eindruck gewonnen, dass die Stadt "nicht in Gefahr" sei, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

Bei seinem Rundgang habe er junge Menschen gesehen, die bereit seien, die Stadt zu verteidigen. Gadafi appellierte zudem erneut an "die Einwohner von Tripolis, die Stämme, die Jungen, die Alten", auf die Straße zu gehen und "Tripolis von den Ratten zu säubern". Außerdem warf er den Rebellen Folter vor und behauptete, sie würden Gegner "exekutieren".

Residenz aus taktischen Gründen verlassen
Zuvor hatte Gadafi in einer ersten Tonbotschaft erklärt, seine Residenz in Tripolis aus taktischen Gründen verlassen zu haben. Der Komplex Bab al-Aziziya sei nur noch ein Schutthaufen gewesen, nachdem die NATO seit Beginn ihres Libyen-Einsatzes 64 Raketen darauf gefeuert habe. Zudem eroberten die Rebellen am Dienstag die Anlage (siehe weitere Bilder und Bericht in der Infobox).

Wo der Machthaber nun tatsächlich ist, ist unklar. Am Dienstag wurde vermutet, dass er sich möglicherweise in einem unterirdischen Bunkersystem des weitläufigen Geländes seiner Residenz aufhält.

"Libyen wird brennender Vulkan"
Nach der Eroberung der Residenz rief der Sprecher der Gadafi-treuen Regierung, Moussa Ibrahim, die Bevölkerung auf, sich am Kampf gegen die Rebellen zu beteiligen. In den vergangenen Stunden seien bereits 6.500 Freiwillige in Tripolis eingetroffen, "um unsere Truppen zu verstärken", sagte Ibrahim dem Sender Arrai.

Der Regierungssprecher lud auch Sympathisanten aus dem Ausland ein: "Die Freiwilligen können nach Libyen kommen, wir werden ihnen Waffen, Munition und eine Ausbildung geben", sagte er. "Wenn die Bombardierungen fortgesetzt werden, werden wir Libyen in einen brennenden Vulkan verwandeln und wir werden die Zivilisten vor den Banden und der Allianz der Kreuzfahrer schützen." Immerhin befänden sich immer noch 80 Prozent der Hauptstadt unter Kontrolle des Gadafi-Regimes, behauptete Ibrahim.

"Wir müssen uns auf den Wiederaufbau konzentrieren"
Unterdessen denken die Rebellen, die wiederum angaben, Tripolis wäre zum Großteil unter ihrer Kontrolle, schon an die Zukunft Libyens. Mahmoud Jibril, der Chef des von den Aufständischen gebildeten Übergangsrat, sagte in einer am Dienstagabend vom arabischen Nachrichtensender Al-Jazeera aus Doha übertragenen Pressekonferenz: "Wir müssen uns jetzt auf den Wiederaufbau konzentrieren und darauf, die Wunden zu heilen." Er versicherte, dass die Sicherheit in Tripolis und im ganzen Land wiederhergestellt werde. "Die Übergangsperiode hat jetzt begonnen." Jibril appellierte an die Verantwortung der Kämpfer. Gefangene sollten fair und nach den Regeln der Genfer Konvention behandelt werden.

Rebellen ziehen von Bengasi nach Tripolis
Wie der Sprecher des Übergangsrats, Mahmoud Shammam, dem US-Sender CNN sagte, wollte ein Teil der Minister der Übergangsregierung bereits am Mittwoch von der Aufständischenhochburg Bengasi in die Hauptstadt umziehen. "Die Hälfte der Regierung wird morgen in Tripolis sein", sagte er und nannte die Minister für Öl und Kommunikation sowie für das Innen-, das Verteidigungs- und das Gesundheitsressort. "Sie werden sich sofort an die Arbeit machen."

Kämpfe dauern an
Doch selbst wenn die Rebellen schon an den Wiederaufbau denken und vom Beginn der Übergangsperiode sprechen, dauern die Kämpfe immer noch an. Nach Berichten einer BBC-Korrespondentin kam es auch in der Nacht zum Mittwoch in Tripolis immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen, teilweise auch noch in der Gadafi-Residenz.

Wie Al-Jazeera berichtete, griffen Regierungstruppen außerdem die Aufständischen-Hochburg Misrata mit Raketen an. Das habe der Militärrat der Rebellen in der Küstenstadt rund 200 Kilometer östlich von Tripolis mitgeteilt. Die Scud-Raketen seien aus Sirte, der Heimatstadt Gadafis, abgefeuert worden, hieß es.

Die Küstenstadt Sirte gilt als möglicher Zufluchtsort Gadafis. Nach Angaben aus Kreisen des Nationalen Übergangsrates verhandle eine Rebellen-Delegation vor den Toren von Sirte mit örtlichen Stammesführern, um sie zu einer kampflosen Aufgabe der Stadt zu bewegen.

Nicaragua will Gadafi Asyl gewähren
Unterdessen kündigte die Regierung Nicaraguas an, Gadafi Asyl zu gewähren, falls er es wünsche. "Wenn uns jemand um Asyl bitten würde, hätten wir dem positiv Rechnung zu tragen", sagte Bayardo Arce, einer der engsten Mitarbeiter des sandinistischen Präsidenten Daniel Ortega, am Dienstag. Er schloss allerdings aus, dass Gadafi wirklich in Nicaragua Zuflucht suchen wolle. Ortega hatte seinem langjährigen Alliierten in der aktuellen Krise mehrfach Hilfe und Solidarität zugesagt.

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