Erst eine Woche vor Schulbeginn erfahren Direktoren, Lehrer und Schüler die neue Handhabe im kommenden Schuljahr. Der Ärger ist vorprogrammiert. Auf Antwort aus dem Bildungsministerium warten auch die Entwickler eines modernen Lüftungssystems, das Aerosole entfernt, bevor sie zirkulieren können.
„Nein, wir haben noch keine Vorgaben bekommen.“ Die „Krone“-Nachfrage unter mehreren Lehrern löste bei den Betroffenen Kopfschütteln aus. „Am 29. August werden alle Schulen, Eltern und Schüler informiert, welche Maßnahmen und Angebote es zum Schulstart geben wird“, verkündet das Ministerium für Bildung. Eine Woche vor Schulstart. Einzig Wien preschte am Freitag - nicht zum ersten Mal - dem Bund vor und erließ eigene Regeln: So werden dort Covid-positive Lehrer nicht unterrichten dürfen.
Plan mit vier Szenarien
Es scheint fast so, als wäre es der erste Corona-Sommer für das Bildungsministerium gewesen. Ein Anfang August erschienener Variantenmanagementplan hat derzeit auch in den Schulen Gültigkeit. In diesem werden vier Szenarien skizziert. Die aktuelle Situation bedient Szenario zwei. Das bedeutet, dass „keine flächendeckenden PCR-Tests vorgesehen“ sind.
Positive Lehrer in Klassen? „Kann es mir nur schwer vorstellen“
Dass positiv getestetes Lehrpersonal vom Bund aus unterrichten darf, stößt Lehrervertreter Paul Kimberger sauer auf: „Ich kann es mir nur schwer vorstellen. Vor allem, weil es praxisfern ist zu glauben, dass die Maske acht Stunden ohne Unterbrechung getragen werden kann.“ Selbiges gilt übrigens auch für nachweislich positiv getestete Kinder. „Einfach undenkbar“, so Kimberger, der die Thematik auch Richtung Internate lenkt: „Auch dort kommen positive Schüler mit anderen zusammen. Einige Bundesländer haben ohnehin schon angekündigt, dass es bei ihnen nicht passieren wird, Positive in die Klassen zu lassen.“
Ohne allgemeine Teststrategie wird sich diese Diskussion ohnehin erübrigen. Oder gehen Sie ohne Symptome regelmäßig testen?
Neues Lüftungssystem in der Warteschleife
Für Erleichterung könnte allerdings ein neues Lüftungssystem sorgen. 500 bis 700 Euro pro Klassenzimmer kostet das moderne System der TU Graz, das im Gegensatz zu herkömmlichen Luftfilteranlagen Aerosole sofort entfernt - noch bevor diese im Raum zirkulieren können. „Wir haben das System in einer Grazer Schule getestet und auch in Seminarräumen der TU Graz installiert“, berichtet die Entwicklerin Christina Hopfe. Auch dem Bildungsministerium wurde die Neuentwicklung vorgestellt. „Wir warten noch auf eine Antwort.“
Die Vorteile liegen neben der geringen Geräuschbelastung und der einfachen Montage klar auf der Hand: „Mit gut durchgeplanten und installierten Abluftventilatoren ist das Infektionsrisiko ungefähr achtmal geringer“, so Hopfe, die vor einer Installation eine Messung des CO2-Gehaltes in den Klassenzimmern für sinnvoll erachtet. „Damit kann man feststellen, ob das bisherige Lüftverhalten ausreicht. Bereits um 100 Euro ist solch ein Messgerät zu bekommen.“
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