Ausbau um Millionen

Grüner Stahl: Ab 2030 erlöschen Hochöfen in Leoben

Steiermark
18.06.2026 11:27

In Leoben-Donawitz steht eine historische Änderung bevor: Bereits 2030 werden beide Hochöfen im Stahlwerk der Voestalpine stillgelegt! Grund: Der Industriekonzern wird die Stahlherstellung mit grünem Strom, die nächstes Jahr beginnt, gleich nochmals kräftig ausbauen. 

Schon bisher war bekannt, dass im Voestalpine-Stahlwerk in Donawitz ein historischer Schritt bevorsteht: Im ersten Halbjahr 2027 gehen die zwei mit grünem Strom betriebenen Elektrolichtbogenöfen in Betrieb, im April soll es die erste Schmelze geben. In der Folge wird dann 2029 einer der beiden Hochöfen stillgelegt.

Am Donnerstag wurde verkündet: 2030 sollen bereits beide Hochöfen und die Sinteranlage in Donawitz ihren Betrieb einstellen! Grund: Die Voestalpine wird in einem zweiten Schritt zu den bisherigen 460 Millionen Euro weitere 100 Millionen Euro investieren, um die Kapazitäten beim Projekt „Greentec Steel“ voll auszubauen – von 850.000 Tonnen Stahl (primär für die Produktion von Schienen) im ersten Schritt auf 1,5 Millionen Tonnen, was auch der aktuellen Kapazität des Werks entspricht.  

Vorstandsvorsitzender Herbert Eibensteiner (links) mit Vorstand Franz Kainersdorfer
Vorstandsvorsitzender Herbert Eibensteiner (links) mit Vorstand Franz Kainersdorfer(Bild: Regine Schoettl)

90 Prozent der Emissionen werden eingespart
In vier Jahren sollte also die Transformation in Donawitz vollständig umgesetzt sein: Statt Koks und Kohle werden dann grüner Strom, Schrott und HBI („Hot Briquetted Iron“, direkt reduziertes Eisen) für die Stahlproduktion benötigt. „Wir sparen so mehr als 90 Prozent der CO₂-Emissionen im Vergleich zum Jahr 2019 ein“, verdeutlicht Vorstandsvorsitzender Herbert Eibensteiner. 

Derzeit laufen die logistisch herausfordernden Bauarbeiten mitten im Werksareal auf Hochtouren, berichtet der zuständige Voest-Vorstand Franz Kainersdorfer: „Die Halle für die Elektrolichtbogenöfen ist errichtet, bei der Schrotthalle fehlt nur noch das Dach.“ Die Öfen selbst werden gerade montiert, die Stromversorgung geht im Herbst in Betrieb. 

Die Halle für die neuen Elektrolichtbogenöfen ist fertig.
Die Halle für die neuen Elektrolichtbogenöfen ist fertig.(Bild: Regine Schoettl)

Riesige Mengen an Strom benötigt
Welche Investitionen folgen nach 2027, um auf die volle Kapazität zu kommen? Nun, es wird eine dritte Sekundärmetallurgie-Linie gebaut, die Schrottlogistik wird um zwei Kräne erweitert und auch die Stromversorgung weiter ausgebaut. Die benötigte Menge an Energie ist gigantisch: In Donawitz und Linz, wo ebenfalls ein „Greentec Steel“-Projekt umgesetzt wird, wird in Summe eine Terawattstunde Strom benötigt! Zum Vergleich: Österreich hat einen jährlichen Verbrauch von 70 Terawattstunden. „Wir haben Verträge mit nationalen und regionalen Energieversorgern“, sieht Kainersdorfer die Versorgung gesichert.

Auch die Lieferungen von Schrott seien gesichert: Das Material kommt aus den eigenen Werken des Konzerns (zum Beispiel Abfälle aus dem Walzwerk) und von Bahnanbietern (alte Schienen), zudem gibt es langfristige Lieferverträge mit Drittpartnern, die vorsortieren Schrott ausschließlich per Bahn anliefern werden. 

„Es gibt keine Kündigungen“
Auf die Mitarbeiter in Donawitz kommen große Veränderungen zu, es laufen bereits die Umschulungen. „Es wird keine Kündigungen geben“, betont Eibensteiner. Eventuell werden aber nicht alle natürlichen Abgänge nachbesetzt. Eibensteiner: „Die Transformation sichert indirekt die mehr als 5000 Arbeitsplätze an den steirischen Standorten der Metal-Engineering-Division ab.“ Die Kundennachfrage nach grünem Stahl ist vorhanden, so die beiden Voestalpine-Vorstände, etwa aus der Auto- und Bahnindustrie. 

Und was passiert mit den beiden Hochöfen? Einer soll auch nach 2030 als eiserne Reserve dienen und vorerst nicht demontiert werden. Für die Nachnutzung der dann nicht mehr benötigten Flächen im Werk gibt es schon Überlegungen, so Kainersdorfer. 

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