17.06.2022 14:14 |

Pommers Feierabend

Ach, wie hässlich/Sommerpause

Einen schönen Freitagabend.

Ich durfte für die Feiertagsausgabe Vizekanzler Werner Kogler interviewen, und es war ein zutiefst hässlicher Termin. Was jetzt nicht so sehr an ihm und hoffentlich nicht an mir liegt, sondern vielmehr an dem Gebäude, in dem sich sein Büro befindet. Es ist dieser blaugrüne Albtraum in der Radetzkystraße, Epizentrum der Abscheulichkeit nahe der Urania, den Sie auch als Nichtwiener vermutlich zumindest vom Vorbeifahren kennen - unbewusst werden Sie stärker auf das Gas gestiegen sein. Ich weiß nicht, ob Häuser eine Seele haben, und wenn, dann möchte ich mich aufrichtig für meine Worte entschuldigen, aber dieser Bauwerk-Quasimodo im dritten Bezirk ist ein Plädoyer für die freiwillige Blendung. Auch die inneren Werte des Glasmonsters sind abscheulich: Nach der Sicherheitsschleuse stehen Besucher im Foyer vor dem „Giganten“ von Anton Hanak, einer männlichen Statue, der Kopf und, wenn ich es richtig gesehen habe, die Genitalien fehlen - hoffentlich kein Role Model, weil Männern am Ende gar kein Organ zum Denken bleibt. Selbst bei Sonnenschein und blauem Himmel fällt kaum Licht in die Halle, weil es im Dach nur eine vergleichsweise kleine Luke gibt. Mit der so auf das Minimum gedimmten Beleuchtung haben sich die Mitarbeiter wohl rasch angefreundet, weil die Alternative eine völlige Ausleuchtung der architektonischen Grässlichkeit wäre. Nur kopflos auszuhalten.

Ich werde hier keine Details verraten, weil es vielleicht ein Sicherheitskonzept rund um das Büro von Werner Kogler gibt, und wenn es nur das ist, dass sowieso niemand freiwillig in das Haus eindringt. Der Fotograf und ich mussten links, rechts, links, rechts, irgendwie so, dann an einer Halle vorbei zu einer versteckten Liftgruppe. Panik kommt in uns auf, die Angst, für ewig hier umherzuirren, lässt uns zittern und schwitzen. Ein Mann, der in Sätzen spricht, die aufgebaut sind wie ein Labyrinth, arbeitet in einem. Ich habe Angst, dass dies meine letzten Gedanken sein werden, bis wir endlich die Aufzüge erreichen und nach oben fahren. Hinter einer Stahl- oder Panzertür nehmen wir Platz. Der fensterlose Raum kann überall sein, in einem Bunker, in einem U-Boot, auf einer Raumstation. „Das hier soll ja eines der hässlichsten Gebäude der Stadt sein“, sage ich zu Koglers Pressesprecherin, die das erbost zurückweist: Es sei nicht eines der hässlichsten Häuser, sondern DAS hässlichste. Auch in der Vienna Ugly Tour käme es als trauriges Highlight vor. Koglers Büro selbst ist an das restliche Gebäude angepasst, ein paar Grünpflanzen sollen von dem gigantischen verdauungsbraunen Einbaukasten ablenken. Und vom Schreibtisch, auf dem sich wegen der Plattentektonik durch sich bewegende Akten ein Zettelmassiv gebildet hat. „Die Skandale Ihres Koalitionspartners?“, frage ich den Vizekanzler. Die Frage bleibt ungehört. Ich rede aber auch manchmal sehr undeutlich.

Karl Nehammer und Werner Kogler sind naturgemäß begeistert von ihrem Paket, von ihren Anti-Teuerungs-Maßnahmen, die dem Kanzler trotz Kanzlergehalt 2360 Euro bringen und dem Vizekanzler immerhin noch ein paar Hunderter. Da darf die Treffsicherheit trotz vieler guter Maßnahmen schon auch angezweifelt werden, außer die beiden stehen finanziell schlechter da als angenommen. Wir werden sie für „Ein Funken Wärme“ in Betracht ziehen. Denn niemand soll in einem solchen Büro arbeiten müssen wie Werner Kogler. Unmenschlich ist das.

Hiermit möchte ich Danke sagen, dass Sie mich noch lesen und mich in die Sommerpause verabschieden. Nicht dass ich jetzt bis Herbst frei hätte, aber die innenpolitische Themenlage dünnt demnächst etwas aus. Außer bei Skandalen, Rücktritten, politischen Blödsinnigkeiten, verhaltensoriginellen Auftritten, Affären usw., dann melde ich mich weiterhin mit einem Feierabend-Newsletter bei Ihnen. Und da wir in Österreich leben, vielleicht sogar täglich.

Ich wünsche einen schönen Sommer, so Sie einen haben.

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