Vergewaltigung?

Journalistin macht Klagedrohung gegen DSK wahr

Ausland
05.07.2011 21:50
Dominique Strauss-Kahn muss sich nun auch in seiner Heimat Frankreich der Justiz stellen. Am Dienstag machte die Schriftstellerin und Journalistin Tristane Banon ihre Drohung wahr und reichte gegen den Ex-IWF-Chef eine Klage wegen versuchter Vergewaltigung ein. Der Zwischenfall soll sich Anfang 2003 während eines Interviews mit Strauss-Kahn zugetragen haben.

Nach französischem Recht verjähren Sexualdelikte nach drei Jahren, bei versuchter Vergewaltigung beträgt die Frist jedoch zehn Jahre. Banon kann daher nur wegen Vergewaltigung vorgehen, weil das Vergehen der sexuellen Belästigung bereits verjährt ist. "Mir ist vor allem daran gelegen, aus diesem Fall nicht einen politischen Fall zu machen", betonte ihr Anwalt David Koubbi (im Bild mit seiner Mandantin) im Fernsehsender "i-Tele" hinsichtlich des Umstands, dass Strauss-Kahn zu den Präsidentschaftsanwärtern für 2012 zählte. 

Die Pariser Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie den Fall archiviert oder gegen Strauss-Kahn vorgeht. Der 62-Jährige bezeichnete die Anschuldigungen als "völlig imaginär" und wies seine Anwälte in Frankreich an, eine Verleumdungsklage gegen Banon in die Wege zu leiten.

Patentochter von Strauss-Kahns Ex-Frau
Die schmale, zerbrechlich wirkende Banon ist das Patenkind von Strauss-Kahns zweiter Frau, von der er seit mehr als 20 Jahren geschieden ist. Und sie ist die Tochter der sozialistischen Parlamentsabgeordneten Anne Mansouret, die den ehemaligen Minister aus der Sozialistischen Partei kennt. "Er war ein Freund meiner Mutter", sagt Banon. Es muss ein Leichtes für die hübsche junge Frau gewesen sein, den früheren Wirtschafts- und Finanzminister für ein Treffen zu gewinnen.

In ihrem ersten Interview seit ein Zimmermädchen aus Guinea in New York Strauss-Kahn Vergewaltigung vorwarf und damit dessen Rücktritt bewirkte, erzählte Banon nun im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "L'Express" weitere Details über den Vorfall vor acht Jahren, als er "wie ein brünftiger Schimpanse" über sie hergefallen sei. Banon war damals 23, machte ein Praktikum bei der großen Boulevard-Illustrierten "Paris Match" und unterschrieb einen Buchvertrag bei einem Pariser Verlag. Strauss-Kahn empfing sie in der mehr oder weniger leeren Wohnung eines Freundes, in der Nähe der Pariser Nationalversammlung, wie die Schriftstellerin sagt.

"Seine Finger in meinem Mund, seine Hände in meinem Slip"
Er habe während des Gesprächs ihre Hand halten wollen, sie habe sich zu ihm auf die Couch gesetzt. "Ich war 23, ich habe die Dinge noch nicht gut einschätzen können." Dann sei alles sehr schnell gegangen, Strauss-Kahn habe sie zu sich gezogen, sie seien auf den Boden gefallen und hätten minutenlang miteinander gerungen. "Nennen Sie das Anmache, einen Mann, der mit Ihrem Körper macht, was er will, (...), Ihre Brüste begrapscht, sich an Ihnen reibt?" Die schmutzigen Einzelheiten erzähle sie erst gar nicht, sagt die Schriftstellerin, "seine Finger in meinem Mund, seine Hände in meinem Slip".

Wenn sie Strauss-Kahn all die Jahre nicht angezeigt habe, dann weil ihr klargewesen sei, dass sie nicht gegen das politische Schwergewicht ankommen werde, sagt Banon. "Versetzen Sie sich einmal in meine Lage!" Jeder habe ihr seinerzeit zu verstehen gegeben, dass ihr eine Anzeige nicht nützen werde. "In solchen Angelegenheiten steht ein Wort gegen das andere. Was war das Wort einer jungen Praktikantin wert, die an ihrem ersten Buch arbeitete und der man vorwerfen würde, sie wolle Aufmerksamkeit? Was war mein Wort gegen das von Strauss-Kahn wert? Nichts!"

"Justiz soll anerkennen, dass ich das Opfer bin"
Ihre Kindheit im Pariser Nobelvorort Neuilly-sur-Seine beschreibt Banon als "leicht chaotisch". Ihren Vater habe sie nie kennengelernt, sie wisse nicht einmal, ob er am Leben sei; ihre Mutter sei mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt gewesen und habe mit der im Juni 1979 geborenen Tochter wenig am Hut gehabt. "Tristane wächst wie Unkraut, mit der Lebenskraft jener, die das Leben in dem Sinne schöner machen wollen, in dem man es ihnen zu verderben versucht", schreibt Banon auf ihrer Internetseite über sich.

Verheimlicht hat sie den mutmaßlichen Übergriff nicht. 2007 schildert Banon in einem Fernsehinterview den Angriff Strauss-Kahns - allerdings ist dessen Name dabei nicht zu hören. Nun hat sie sich doch zu einer Anzeige durchgerungen, acht Jahre nach der mutmaßlichen Tat. Freilich steht jetzt immer noch Aussage gegen Aussage. Aber es gebe für sie nur einen Weg, "nicht völlig zusammenzubrechen", sagt Banon dem Magazin. "Dass die Justiz anerkennt, dass ich das Opfer bin."

Banon engagiert "Anwalt der Stars"
Um das politische Schwergewicht Strauss-Kahn anzugreifen, hat sich Banon an ein Schwergewicht der Pariser Anwaltskammer gewandt. Ihr Verteidiger David Koubbi machte sich als Anwalt der Stars in sehr medienwirksamen Fällen einen Namen. So verteidigte der 38-Jährige etwa im Herbst 2009 Stephane Delajoux, dem nach einem chirurgischen Eingriff auf Altrocker Johnny Hallyday ein Fehlverhalten vorgeworfen wurde. Zuvor hatte er den Broker Jerome Kerviel verteidigt, der der "Société Générale" durch riskante Börsentransaktionen Milliardenschäden verursacht hatte. 

Zu den weiteren Mandanten des aus Toulouse stammenden Anwalts, der in seiner Freizeit Romane schreibt, zählen auch die Kinostars Isabelle Adjani und Marie Laforet und der ehemalige Produzent von Johnny Hallyday, Jean-Claude Camus. Nach dem Erdbeben von Haiti im Jänner 2010 unterstützte Koubbi die Vereinigung "SOS Haiti".

Koubbi hatte seine berufliche Laufbahn als Journalist begonnen, bevor er zu einem auf Medienrecht und Handelsrecht spezialisierten Anwalt wurde. Mit einem Kollegen gründete er die Kanzlei "28 Octobre" in einem großen zweistöckigen Büro in der Nähe des Pariser Triumphbogens. Jedes Jahr am 28. Oktober organisiert er in seiner Kanzlei einen großen Cocktail, zu dem Stars von Fernsehen und Medien, sowie berühmte Staranwälte geladen sind.

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