Einen schönen Montagabend.
Ich war bei den Wahrscheinlichkeitsrechnungen im Gymnasium immer grauenhaft schlecht, nach einer Schularbeit mit einem Nicht genügend sagte meine Lehrerin einmal entnervt zu mir: „Michael, du bist ein Kipferl.“ Ob Vanillekipferl oder Briochekipferl, getraute ich mich damals nicht zu fragen, aber so, wie ich mich vor Zahlen wegzudrehen vermochte, lag die Assoziation zu gebogenen Backwaren nahe. Allen mathematischen Gleichungen zum Trotz wage ich heute, viele Jahre später, diese These: Die Wahrscheinlichkeit, dass jeder Österreicher einmal im Lotto gewinnt, ist höher als die, dass diese Teuerungsexpertentruppe bei diversen Gipfeln zeitnah eine merkliche Entlastung in unser aller Geldbörsen bringt. Vielleicht schreiben Sie mir in ein paar Wochen: „Herr Pommer, Sie sind ein Kipferl“, wobei ich heute eine Präzisierung der Teigform einfordere, weil ich mich geirrt habe - aber mehr als 50 Prozent der Bevölkerung können die täglichen Ausgaben nur noch schwierig oder sehr schwierig stemmen, und der Bund lädt zur Plauderstunde. Ich bleibe dabei: Dass sich die dort gewonnene heiße Luft nicht zur alternativen Energieform eignet, ist bedauernswert. Österreich wäre noch heuer klimaneutral.
Und so erarbeiten die Teuerungsgipfelteilnehmer einen Bericht für die kommenden Wochen, zur kalten Progression wurde ein Arbeitskreis angekündigt, auf Eis liegen auch so manche Ideen der Opposition. Um eines klarzustellen, die Länder stehen nicht viel besser da. Die Wiener Stadtregierung hat ein Energiepaket mit pauschaler Direktanweisung von 200 Euro an Mindestsicherungsbezieher, Mindestpensionisten, Arbeitslose und Wohnbeihilfen-Beziehende geschnürt - der Mittelstand, der wieder einmal durch die Finger schaut, von den Teuerungen aber ebenso massiv betroffen ist wie alle anderen, darf diese 50-Millionen-Euro-Hilfe aber lediglich finanzieren. Alle trifft dafür die Anhebung der Gebühren auf Wasser, Kanal und Müll, das neue Parkpickerl spült 54 Millionen Euro zusätzlich in die Stadtkasse. Wenn SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner rasche Antiteuerungsmaßnahmen einfordert, hat die Erzählung Lücken.
Die Preiskommission hat sich die Lage heute also einmal angeschaut. Menschen, die auf Preise starren. Wir von der „Krone“ veröffentlichten am Wochenende eine große Umfrage, in der alles zum Thema zu lesen war: Die steigenden Preise wirken sich bei mehr als 80 Prozent der Österreicher auf deren Konsumverhalten aus; mehr als die Hälfte kann die täglichen Ausgaben eben nur noch schwierig oder sehr schwierig stemmen; die Problematik zeigt sich vor allem bei der Anschaffung von Lebensmitteln (63%); 9 von 10 Österreichern sprechen sich für eine festgelegte Obergrenze bei den Energiepreisen aus, bei Treibstoffpreisen sind es 81%. Aber warten wir eben auf den Bericht. Am Mittwoch geht es im Lotto beim Siebenfachjackpot um 10 Millionen Euro. Alles ist möglich, das gilt für die Innenpolitik wie für das Lotto. Ich habe heute gespielt. Über einen unwahrscheinlichen Gewinn entlastet zu werden, ist im Vergleich am wahrscheinlichsten.
Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.
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